Calming Signals – Beschwichtigungssignale bei Hunden

Ein wichtiger Faktor bei der Kommunikation unter zwei Menschen ist das Zuhören. Reden wir ununterbrochen auf eine andere Person ein ohne die Reaktion des Gegenübers wahrzunehmen, kommt es zu Missverständnissen. Bei der Kommunikation mit unseren Hunden sieht die Welt ähnlich aus. Wir neigen dazu, ihnen nicht zuzuhören und nehmen vielmehr die Rolle des Senders ein. Besonders die sogenannten „Calming Signals“ unserer Hunde werden häufig übersehen. In diesem Artikel begeben wir uns also in die Welt der Beschwichtigungssignale bei Hunden, damit wir diese mitunter subtilen Signale wahrnehmen und entsprechend handeln können.

Calming-Signals-hund

Was sind Calming Signals überhaupt?

In der Regel möchten Hunde Auseinandersetzungen oder Konflikte vermeiden. Mit den Beschwichtigungssignalen drücken Hunde ihre friedlichen und freundlichen Absichten gegenüber Artgenossen oder Menschen aus. Hunde nutzen diese aber auch, wenn sie gestresst sind oder Bedrohungen wahrnehmen. Einerseits werden Calming Signals demnach zur Deeskalation verwendet, andererseits können sie zur eigenen Beruhigung eingesetzt werden.

Ein verhaltensunauffälliger Hund würde beispielsweise nicht „aus heiterem Himmel“ zubeißen. Zuvor zeigt er im Normalfall eine Reihe seiner Calming Signals. In diesem Fall versucht er, sein Gegenüber zu bremsen. Das kommt zum Beispiel bei einer Berührung oder einem Aufeinandertreffen, bei denen sich der Hund unwohl fühlt, vor. Um die unterschiedlichen Beschwichtigungssignale zu veranschaulichen, tauchen wir nun in die Vokabelwelt der Hunde ein.

Welche Beschwichtigungssignale gibt es bei einem Hund?

Meistens wird ein Beschwichtigungssignal nicht alleine eingesetzt. In der Regel wird ein Calming Signal in Kombination mit einigen weiteren Signalen gegeben:

  • Deutliches Kopfabwenden: Wendet ein Hund seinen Kopf deutlich von seinem Gegenüber ab, handelt es sich um ein distanzvergrößerndes Verhalten. Der Hund möchte keine weitere Interaktion oder Nähe. Oft können wir das beobachten, wenn der Hund zum Beispiel von fremden Menschen gestreichelt wird. Deutlicher kann der Hund sein Unbehagen zeigen, indem er seinen ganzen Körper abwendet. Bei freundlichen Begegnungen mit Artgenossen nähern sich Hunde oft mit abgewendetem Kopf und Schultern an. Diese Art der Begrüßung vermittelt dem anderen Hund die friedlichen Absichten.
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  • Sich kratzen: Für eine Deeskalation können Hunde das Kratzen als Calming Signal nutzen. Sie können es bei einem actionreichen Spiel einsetzen, wenn die Stimmung beginnt ins Negative zu kippen. Mit dem Kratzen als Beschwichtigungssignal nehmen sie die Hektik und Anspannung aus einer bestimmten Situation.

Das Kratzen ist zudem häufig ein Übersprungsverhalten um den eigenen Stress abzubauen. Wenn es bei uns Menschen vielleicht das in die Haare greifen ist, ist es bei vielen Vierbeinern das Kratzen.

  • Schnüffeln: Das Schnüffeln ist generell ein großer Bestandteil im Leben eines Hundes. Es wird jedoch nicht ausschließlich zum Inspizieren der Umgebung gezeigt. Als Calming Signal kann das Schnüffeln ebenfalls genutzt werden. Ähnlich wie das Kratzen, wird das Schnüffeln bei hoher Erregungslage zur Deeskalation genutzt. In diesem Fall schnüffelt der Hund am Boden, während er seine Umgebung weiterhin im Blick hat. Zum einen beruhigt es den schnüffelnden Hund und zum anderen wird eine drohende Eskalation vermieden.
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  • Züngeln: Die Unsicherheit oder das Unbehagen zeigt ein Hund häufig durch das Züngeln. Die Zunge wird meistens in Richtung Nase herausgestreckt. Da das Züngeln meistens nur kurz sichtbar ist, bleibt es von Menschen häufig unbemerkt.  Dieses Verhalten wird mit dem menschlichen Herumhampeln verglichen.
  • Gähnen: Nicht immer ist ein gähnender Hund müde. Als Übersprungsverhalten dient das Gähnen dem Stressabbau. Als Calming Signal drückt der Hund dadurch aus, dass er einen Konflikt vermeiden möchte und friedlich gestimmt ist. Das Gähnen vermittelt schließlich alles andere als Aggression.
  • Pföteln: Das Heben einer Vorderpfote ist eine recht deutliche, freundlich gemeinte Geste an das Gegenüber. Das Pföteln zählt in diesem Kontext zum demütigen und vorsichtigen Hundeverhalten.
  • Blinzeln: Kneift ein Hund seine Augen zusammen und blinzelt, zeugt das von einer gewissen Portion Unsicherheit. Der Hund möchte mit diesem Calming Signal ausdrücken, dass er keine bösen Absichten hat und man ihm entsprechend vorsichtig gegenübertreten sollte.
  • Kriechen: Das sichtbar submissive Kriechen unterscheidet sich in einigen Punkten zum Kriechen oder Anpirschen während der Jagd. Beim beschwichtigenden Kriechen sind die Beine eingeknickt und der Rücken gerundet. Der beschwichtigende Hund senkt seinen Kopf dabei deutlich ab. Dieses Calming Signal können wir nach einem Konflikt, aber auch bei einer Begrüßung zwischen Hunden oder Hund und Mensch beobachten.
  • Schwanzwedeln: Das Wedeln mit dem Schwanz kann kontextbezogen unterschiedliche Bedeutungen haben. Wedelt der Hund tendenziell eher mit herunterhängenden Rute, drückt das seine eher unsichere bis ängstliche Gemütslage aus. Der Hund beschwichtigt in diesem Fall, da er keine Aggression durch das Wedeln ausdrückt. Besonders beim Schwanzwedeln ist jedoch immer auch die restliche Körpersprache zu beachten.
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  • Vorderkörpertiefstellung: Meistens sehen wir die Vorderkörpertiefstellung in Zusammenhang mit einer Aufforderung zum Spiel. Sie kann jedoch in unterschiedlichen Situationen gezeigt werden – so auch als Beschwichtigungsgeste. Die Muskeln werden gedehnt, der Kopf wird tief getragen. Dieses Bild gibt dem Hund eine unbedrohliche Wirkung auf sein Gegenüber. Hat beispielsweise eine gemeinsame Spieleinheit die Tendenz zu eskalieren, hilft die Vorderkörpertiefstellung um die entspannte Stimmung zu unterstreichen. Außerdem hilft sie, um andere Calming Signals zu verdeutlichen, welche zuvor nicht wahrgenommen wurden.
  • Bogenlaufen: Dieses Calming Signal gehört zum Hunde-Knigge. Ein Hund läuft im Bogen auf Hund oder Mensch zu, um seine friedlichen Absichten zu demonstrieren. Diese höfliche Geste zeigt, dass der Hund keinerlei aggressives Verhalten zeigen möchte. Vielleicht hast auch du das schon mal beim Rückruf beobachten können. Besonders wenn das Zurückkommen erst nach einigem Rufen klappt und der Mensch ungeduldig wird und sich nach vorne beugt, beschwichtigt der Hund mit dem Zugehen in einem Bogen. Bei den ein oder anderen Begegnungen ist der Bogen für uns kaum sichtbar. Er kann also je nach Situation und Gemüt größer oder kleiner ausfallen.

Calming Signals individuell betrachten

Sind wir Menschen unsicher oder möchten wir unsere friedlichen Absichten demonstrieren, wenden wir unterschiedliche Ausdrucksweisen an. Der eine zappelt, der andere hantiert an einem Gegenstand herum oder schaut in der Umgebung umher. Bei Hunden ist das nicht anders. Jeder Hund nutzt bestimmte Beschwichtigungssignale häufiger und andere eher weniger. Das Verhalten kann auch je nach Situation variieren. Ist dir bewusst, welches Signal dein Hund bevorzugt einsetzt?

Mit Sicherheit zeigt auch dein Hund seine Calming Signals in Kombination. In der Regel beschwichtigen Hunde mit mehreren Gesten gleichzeitig. Das Blinzeln wird zum Beispiel oft gemeinsam mit dem Züngeln gezeigt, während der Hund seinen Kopf abwendet. Das Gähnen kann man häufig zusammen mit der Vorderkörpertiefstellung beobachten.

Ein wichtiges Merkmal der Calming Signals ist, dass der Hund sie zur Distanzvergrößerung oder zur Distanzverringerung einsetzen kann. Submissives Verhalten bei einer Begrüßung soll in diesem Fall eine freundliche Annäherung ohne Aggression auslösen. Deutliches Kopf- oder Körperabwenden, wenn der Hund beispielsweise von einer fremden Person gestreichelt wird, soll auf friedliche Art sagen, dass dies gerade nicht gewünscht ist. Die Distanz soll in diesem Fall vergrößert werden.

Wichtig für uns Hundeliebhaber ist vor allem, dass wir die Calming Signals unseres Hundes wahrnehmen und auch ernst nehmen. Werden Beschwichtigungssignale ignoriert, kann ein Hund zu offensivem Drohen oder gar zu aggressivem Verhalten übergehen. Viele Missverständnisse können bereits vermieden werden, wenn wir unseren Hunden zuhören. Das Zuhören ist der wohl wichtigste Teil in einer harmonischen Kommunikation.

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