Das Ich-Bewusstsein der Hunde

Lange Zeit galt der Hund als zwar schlaues, jedoch wenig selbstbewusstes Tier. Warum sollte sich ein Lebewesen mit einem funktionierenden Ich-Bewusstsein letztlich so bereitwillig dem Willen des Menschen unterwerfen? Was Hundehalter jedoch im alltäglichen Leben mit ihren Vierbeinern erleben, spricht dafür, dass die Tiere tatsächlich dazu in der Lage sind, sich selbst als Individuum wahrzunehmen. Ein Hund, der etwas ausgefressen hat, ist ja sogar dazu in der Lage, sein schlechtes Gewissen von der Schnauze bis zur Schwanzspitze zu zeigen. Woran es bislang jedoch fehlte, waren wissenschaftliche Beweise für das Ich-Bewusstsein des Hundes. Wissenschaftler aus Russland haben sich dieser Thematik nun jedoch angenommen. Mit überraschendem Ergebnis.

Der Spiegeltest in neuer Form

spiegeltest-hundEin klassisches Mittel, um das Ich Bewusstsein von Lebewesen zu testen, ist der sogenannte Spiegeltest. Hier bekommt beispielsweise der Mensch oder ein Affe während des Schlafes einen Punkt auf das Gesicht gemalt und dann vor einen Spiegel gestellt. Wer diesen Punkt nun erkennt und versteht, dass er sich im eigenen Gesicht befindet, hat ein Ich-Bewusstsein. Bei Hunden funktioniert dieser Test nicht. Der Hund sieht im Spiegel zwar einen anderen Vierbeiner, reagiert auf ihn jedoch so, als würde er einen weiteren Hund treffen. Grundsätzlich spricht dies gegen das Ich-Bewusstsein des Hundes.

Damit wollten sich die Wissenschaftler an der Tomsk Universität in Russland jedoch nicht zufrieden geben. Sie überlegten, welche Sinne des Hundes möglicherweise Einfluss auf das Ich-Empfinden nehmen könnten und deuteten hierbei vor allem den starken Geruchssinn der Vierbeiner aus. In mühsamer Arbeit entwickelten die Fachleute einen Spiegeltest, der nicht auf optischer Wahrnehmung, sondern auf dem Geruchssinn basiert.

Die Erkenntnisse aus dem „duftenden“ Spiegeltest

Um herauszufinden, ob Hunde sich tatsächlich selbst erkennen können, verwendeten die Wissenschaftler Hundeurin. Dieser wurde in Behältern gesammelt und in mehrere Käfige gestellt. Die Hunde, die anschließend getestet wurden, wurden in die Käfige gebracht und durften an den Urinproben riechen. Hierbei stellte sich heraus, dass manche Hunde schnueffeltestweniger lange an der Probe ihres eigenen Urins schnupperten als an Proben fremder Hunde. Zu erkennen war außerdem, dass insbesondere ältere Hunde sich weniger für ihren eigenen Urin interessierten.

Hieraus konnten die Wissenschaftler schließen, dass der Hund in der Lage ist, sich selbst zu erkennen. Zwar nicht im Spiegel, wie es beispielsweise der Mensch kann, dafür jedoch mit der Nase.

Der Hund weiß, wer er ist

Letztlich also zeigt dieses Experiment, dass Hunde tatsächlich dazu in der Lage sind, ein Ich-Bewusstsein auszubilden. Die Untersuchung der Tomsk-Universität öffnet der Wissenschaft hierbei ganz neue Türen, denn bislang orientierte sich der Spiegeltest sehr stark am Vorbild des menschlichen Bewusstseins. Möglicherweise also gibt es noch viel mehr Tiere, die sich selbst als Individuum wahrnehmen und von anderen unterscheiden können.

Warum der Hund trotz seines Ich-Bewusstseins dem Menschen gegenüber unterwürfig und folgsam ist, kann die Untersuchung selbstverständlich nicht erklären. Möglicherweise spielen hier weitere Faktoren wie emotionale Bindung, Charakter und Selbstbewusstsein eine Rolle. Hundehalter, die ihrem Hund jedoch schon vor diesem Experiment ein Bewusstsein für sich selbst attestierten, hatten jedoch in jedem Fall Recht.

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