Dramatisch: Das Leben der Vermehrerhunde

Zweifellos: Welpen sind unglaublich süß. Mit ihren tapsigen Pfoten und dem süßen Gesicht gewinnen sie das Herz der meisten Hundeliebhaber schon auf den ersten Blick. Dass jedoch genau diese Tatsache für unglaubliches Leid sorgen kann, wollen sich nur die wenigsten Hundefreunde vorstellen. Für Menschen, die Hunde auf professionelle und wenig liebevolle Art und Weise vermehren und „produzieren“, sind auch die süßesten Welpen nur eine Ware. Geld in die Kasse zu spülen, ist der Hauptzweck einer solchen Zucht. Auf die Gesundheit der Tiere, psychisch und physisch, legt ein Vermehrer keinen Wert. Dennoch geht das Konzept immer wieder auf.

 

Wie lebt eine Vermehrer-Hündin bzw.  Vermehrerhunde?

Um verstehen zu können, welches Dasein eine Hündin bei einem Vermehrer fristen muss, ist ein Blick hinter die Kulissen notwendig. Da jedoch kein Vermehrer bereitwillig davon erzählen wird, wie er mit den Hunden umgeht, haben sich zahlreiche Tierschutzorganisationen hiermit beschäftigt. VermehrerhuendinDas Ziel dieser Organisationen ist nicht nur die Aufklärung unwissender Käufer und Hundefreunde, sondern letztlich auch ein Ausmerzen des Vermehrertums.

Eine Vermehrer-Hündin lebt kein gutes Leben. Ihr Umfeld gleicht dem einer seelenlosen Fabrik, in der sie gemeinsam mit anderen Hündinnen eingesperrt ist. Ein kleiner Zwinger mit einer Grundfläche von winzigen vier Quadratmetern ganz ohne kuscheliges Körbchen ist der einzige Ort, den die Hündin während ihrer Lebenszeit kennenlernt. Ganz ohne menschliche Zuwendung fristet die Hündin hier ein Dasein mitten im Dreck. So oft es nur geht, wird sie von einem Rüden bestiegen, sodass sie während ihrer Lebenszeit möglichst viele Welpen zur Welt bringt.

Die Geburt der Welpen erfolgt dort, wo die Hündin untergebracht wird. Auf nacktem Beton und in einer unhygienischen Umgebung kommen dann zahllose kleine Hunde auf die Welt, die von ihrer Mutter nur unzureichend versorgt werden können. Die schlechten Umstände und das mangelhafte Futter tun ihr Übriges. Dabei ist es egal, ob winterliche Kälte oder hochsommerliche Hitze der Hündin das Leben zusätzlich schwer machen. Sie zieht ihre Welpen groß und wird schon wenige Zeit später wieder trächtig. Der Kreislauf beginnt von Neuem und das so lange, bis die Hündin aus Erschöpfung oder durch Krankheiten und Mangelversorgung stirbt. Für den Vermehrer endet mit dem Tod der Hündin nicht etwa ein wertvolles Leben. Längst schon ist ein neues Tier ausgedeutet, das in den kleinen Zwinger gesperrt und zur Wurfmaschine gemacht werden wird.

 

Die gesundheitlichen Gefahren für Welpen und Elterntiere
welpenhandelWie bereits erwähnt, ist eine Vermehrerhündin für ihren Halter kein wertvolles Lebewesen. Dementsprechend schlecht wird sich auch um ihre Gesundheit gekümmert. Viel wichtiger ist es dem Vermehrer, eine schöne Hündin auszuwählen, die ihre optischen Merkmale an ihre Welpen weiter vererben kann. Ob sie an Erbkrankheiten leidet, von Würmern befallen ist, oder ob Milben und Würmer ihr das Leben schwer machen, spielt dabei keine Rolle.

So vererbt die Hündin nicht nur ihre Schönheit an ihre Welpen, sondern alle genetischen Defekte und Erbkrankheiten. Viel zu oft kommen daher Welpen zu Welt, die bereits in den ersten Tagen ihres Leben sehr krank sind. Parasiten werden schon kurz nach der Geburt zum Begleiter der Kleinen und ziehen gemeinsam mit ihnen bei ihrem neuen Besitzer ein. Nicht selten ist es daher im Netz zu lesen, dass ein kleiner Welpe schon kurz nach dem Kauf in seinem neuen Zuhause verstirbt oder für extrem hohe Tierarztkosten sorgt.

Doch auch die Seele leidet. Die Mutter der Welpen ist seelisch zumeist gebrochen und hat keinerlei Vertrauen in den Menschen. Ihre Welpen werden ihr in der Regel viel zu früh entrissen, was sich auf die Sozialisierung und das Seelenleben der Kleinen dramatisch auswirkt. In keinem Fall also erhält ein Hundebesitzer von einem Vermehrer einen gesunden und glücklichen Welpen.

 

Warum aber funktioniert dieses kriminelle Vorgehen?
Das Internet ist einer der Hauptorte, an denen Welpen aus Vermehrerzuchten an den Mann gebracht werden. Immer häufiger suchen künftige Hundebesitzer nach Rassehunden, sind jedoch nicht bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen. So werden die Welpen aus Vermehrerzuchten in Kleinanzeigenportalen zu Spottpreisen angeboten und verkauft. Für den Vermehrer ist der günstige Preis die beste Möglichkeit, den Welpen so schnell wie nur möglich wieder loszuwerden. Schließlich kostet der kleine Hund Geld, so lange er bei seinem Vermehrer ist. So machen Vermehrer Gewinn, indem sie eine große Zahl Welpen zu niedrigen Preisen verkaufen.

 

Oft stammen die sogenannten „Billig-Welpen“ aus osteuropäischen Ländern, Belgien, Frankreich oder den Niederlanden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es in Deutschland keine Vermehrerzuchten gibt. Ein Welpe, der von einem deutschen Standort aus verkauft wird, kann daher ebenfalls ein „Billig-Welpe“ sein.

billige-welpenLeicht zu erkennen sind Welpen aus Vermehrerzuchten, wenn sie auf zwielichtige Art und Weise angeboten werden. Sogenannte Kofferraumhändler warten auf öffentlichen Parkplätzen auf Kundschaft und verkaufen ihre Welpen ganz ohne Papiere oder Belege direkt aus dem Kofferraum heraus an ihren neuen Besitzer. Wer einen solchen Händler bemerkt, sollte umgehend die Polizei rufen, sodass dem Kriminellen das Handwerk gelegt werden kann. Dabei wird jedoch nicht das Grundproblem gelöst, denn durch das Belangen eines einzelnen Kofferraum-Händlers bleibt die Zuchtstätte weiterhin im Verborgenen und kann billige Welpen auf Kosten der tierischen Gesundheit produzieren.

 

Wie erkennen Käufer unseriöse Anbieter?

Um die herzlosen Vermehrer dauerhaft vom Welpenmarkt verschwinden zu lassen, ist vor allem ein verantwortungsbewusstes Handeln der Käufer gefragt. Niemals sollte ein Welpe ganz ohne Hintergrundinformationen und zu einem günstigen Preis gekauft werden. Geschieht dies doch – und derzeit passiert es täglich unzählige Male – so wird der Kreislauf am Leben gehalten. Beim Kauf eines Welpen sollten künftige Hundebesitzer also auf einige Details achten.

 

Details, die auf einen Vermehrer-Welpen schließen lassen:

  • Der Welpe wird schon vor der achten Lebenswoche verkauft.
  • Der Käufer kann sich nicht vor Ort über Elterntiere und Zuchtstätte informieren.
  • Der Welpe wird ohne Gesundheitszeugnis, Impfpass und Entwurmungen verkauft.
  • Der Verkäufer bietet weder Tätowierung noch Chip an.
  • Der Verkäufer bietet keinen detaillierten Kaufvertrag.
  • Die Übergabe des Welpen erfolgt an anonymen Orten wie Parkplätzen oder Autobahnraststätten.
  • Der Verkäufer verlangt Barzahlung ohne Beleg.

 

Trifft auch nur einer dieser Punkte auf den Hund zu, für den sich ein Käufer interessiert, ist dies Grund für Nachforschungen und Misstrauen. Bei Unsicherheiten sollten Käufer daher stets nachfragen und auf ihre Fragen detaillierte Antworten erhalten.

Hier ein Video einer Reportage des NDR:

Teil 2:

Und wie sieht seriöse Zucht aus?

Einen seriösen Züchter erkennen Hundekäufer daran, dass er keine Hündin vor einem Alter von zwei Jahren zur Zucht verwendet. Außerdem kann er seinen Interessenten den Ort zeigen, an dem die Elterntiere der Welpen leben und an dem die Welpen großgezogen werden. Die Zuchtstätte sollte außerdem von einem Zuchtwart geprüft worden sein. Gesundheitszeugnisse für Elterntiere und Welpen sind für einen professionellen Züchter eine Selbstverständlichkeit. Zusätzlich kann ein seriöser Züchter Nachweise über seine Qualifikation zum Züchter vorlegen. Hat er Belege für Züchterseminare, so spricht dies für ihn.

Augen auf beim Welpenkauf!
Augen auf beim Welpenkauf!

Interessieren sich Hundefreunde also für einen Welpen von einem seriösen Züchter so haben sie schon vor dem Kauf die Möglichkeit, alle relevanten Informationen zu erhalten. Im Kaufvertrag enthalten sind außerdem immer die vollständige Adresse des Züchters, die Kennungsnummer des Welpen und Angaben über Gesundheit und Zustand der kleinen Hunde. Es kommt hierbei keinerlei Zweifel daran auf, dass der Züchter nur das Beste für seine Welpen will.

So spricht es ebenfalls für einen seriösen Züchter, wenn dieser sich für das künftige Zuhause seiner Welpen interessiert und möglicherweise sogar einen persönlichen Vorab-Besuch zur Pflicht macht.

 

Was passiert mit Hündinnen, wenn sie gerettet werden können?

Viele Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, ehemalige Vermehrerhunde zu retten und zu schützen. Hündinnen, die das Glück haben, aus einer solchen Zucht geholt zu werden, haben das Schlimmste zwar hinter sich, vor ihnen liegt jedoch ein sehr langer Weg hin zu einem lebenswerten Dasein.

So werden die Hündinnen oft in Pflegestellen gehalten, die sich mit der psychischen und physischen Pflege der traumatisierten Tiere auskennen. Die Hündinnen lernen hier zum ersten Mal, dass Menschenhände nicht schlagen, sondern streicheln können. Sie lernen Autofahren, Treppensteigen und erfahren, was eine Wiese ist. Das oft entzündete Gesäuge und die zahlreichen Erkrankungen der Hündinnen werden hier gepflegt und behandelt.

Es kann daher sehr lange dauern, bis eine ehemalige Vermehrerhündin den Weg ins Leben findet. Auch nach der Vermittlung aus einer Pflegestelle an ihren neuen Halter wird sie viel Verständnis und behutsame Behandlung benötigen. Die Narben auf der Hundeseele können im Laufe der Zeit verblassen, ganz verschwinden werden sie jedoch nie.

 

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ein Kommentar

  1. Ich habe in den letzten Jahren drei Hundeseelen aus der Vermehrerstaette aufgenommen und sie in ein liebevolles neues Leben begleitet. Mein erster war ein Colliezuchtruede aus einer Vermeherstaette in Belgien. Er war 5 Jahre alt und konnte nicht auf Beton laufen ohne dass seine Pfoten sofort bluteten. Er hatte komplett vereiterte Zaehne und war aengstlich. Aber von meinen drei Seelchen war sein Gesundheitszustand noch am besten.
    Unsere zweite war eine kleine extrem traumatisierte franzoesiche Bulldoggenhuendin. Ihr Gesauge hing, die Zaehne waren nur noch Eiter und Entzuendung, sie hatte unzaelinge Kaiserschnittwunden und eine aktuelle nur notduertig geklammerte klaffende aktuelle als ich sie mit nach Hause nahm. Ihre Ohren waren total aufgeschwollen und kaputt vom chronischen Blutohren und ein Auge war zerstoert. Demodexbefall und entzeundetes Geschlechtsteil. Sie war mein geliebter Engel und nach eineinhalb Jahren ist sie in einem Status Epileptikus gestorben. Nun habe ich seit eineinhalb Jahren eine Mopsvermehrerhuendin. Auch sie kannte nichts, ist draussen unsicher, unsozialisiert und beginnt nun ihr Leben immer mehr zu geniessen. Unser geliebter Collie hatte noch 7 Jahre bei uns.
    Traurig ist, dass die meisten Vermehrerhunde nur noch ein sehr kurzes Leben nach iherer Entlassung haben. Die Vermeher wissen dass und entledigen sich darum der Hunde. Wir Menschen adoptieren sie dann fuer sehr hohe Preise von den Tierschutzorganisationen obwohl in den meisten Faellen Pflegestellen sie auf eigene Kosten, sehr kostspielig uebrigens, ernaehren und medizinisch versorgen. Ich habe die meine Vermehrerhunde nicht als Pflegestelle angenommen sonder sie immer gleich im desolaten Zustand angenommen und auch behalten. So war ich mir sicher, dass sie nicht noch einen Schmerz oder eine ungewissen Zukunft erleben muessen.
    Es sind wunderbare Geschoepfe und wer diese Seelen nicht kennt,kennt Gott nicht.

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