Gesichter und Emotionen – Wo Hunde- und Menschenhirn ganz ähnlich funktionieren

Dass zwischen Hund und Mensch eine besondere Verbindung besteht, haben Forscher in der vergangenen Zeit bereits feststellen können. Oxytocin, ein Hormon, sorgt für das liebevolle Zusammenleben von Zwei- und Vierbeiner. Jetzt geht die Forschung allerdings noch einen Schritt weiter und untersucht das Hundegehirn auf Fähigkeiten, die sonst nur Menschen oder auch Affen haben. Das verblüffende Ergebnis: Es gibt durchaus Parallelen zwischen Hunde- und Menschenhirn. Die Verarbeitung bestimmter Reize erfolgt teilweise sogar in den gleichen Regionen des Gehirns. Ein Grund mehr, den Satz „Es ist doch nur ein Hund,“ ganz neu zu überdenken.

 

Ein feines Gespür für Gefühle

hundehirn
haben Gemeinsamkeiten in Hirn – Mensch und Hund

Ungarische Forscher haben feststellen können, dass es im Hundehirn besondere Regionen gibt, mit denen Sprache verarbeitet werden kann. Hier findet sich eine Gemeinsamkeit mit dem Menschengehirn, denn auch bei uns wird das gesprochene Wort nicht nur auf Informationsgehalt, sondern auch auf Emotionen geprüft. Dass Hunde dabei natürlich nicht jedes Wort verstehen, liegt auf der Hand. Wohl aber ist es ihnen möglich, die emotionale Botschaft hinter der Sprache zu verstehen. Um an diese Erkenntnis zu gelangen, mussten Forscher und Hunde jedoch einiges tun. So wurden elf Hunde darauf trainiert, in einem Magnetresonanztomographen still liegen zu bleiben, während das Gerät sie scannt. Um einen sinnvollen Vergleich zu erreichen, wurden während des Tests 22 Menschen im MRT untersucht.

Im MRT selbst bekamen Hunde und Menschen dann unterschiedliche Geräusche vorgespielt. Hierunter gewöhnliche Geräusche aus dem alltäglichen Leben, Bellen und auch menschliches Weinen oder Lachen. In der Auswertung zeigte sich, dass das Hunde und Menschen am stärksten auf die Laute ihrer jeweiligen Artgenossen reagierten. Interessant ist allerdings, dass etwa dreizehn Prozent der Regionen im Hundehirn besonders stark auf menschliche Laute reagierten und ungefähr zehn Prozent der Regionen im Menschenhirn auf Hundelaute. Beide Spezies scheinen also tatsächlich sehr stark aufeinander abgestimmt zu sein.

Klar erkennbar war ebenfalls, dass die Regionen innerhalb des Gehirns bei Hund und Mensch an einer ähnlichen Stelle liegen. Auch die emotionale Botschaft, egal ob von Mensch oder Hund, verarbeiteten beide Gehirne auf eine sehr ähnliche Art und Weise. Auf das Lachen eines Menschen reagierten die Hundegehirne sehr viel intensiver als auf Weinen. Dies hilft Hunden dabei, den emotionalen Gehalt von Geräuschen richtig einordnen zu können. Es ist also durchaus etwas dran, wenn mancher Hundebesitzer seinem Vierbeiner ein gutes Gespür für Gefühle attestiert.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen nun vermuten, dass ein gemeinsamer Vorfahre von Mensch als auch Hund vor etwa 100 Millionen Jahren existierte. Dies würde die Ähnlichkeit der Gehirnstrukturen erklären.

 

„Hey, den kenn ich doch!“

Auch im amerikanischen Atlanta ging es für Hunde einer Testgruppe in den Magnetresonanztomographen. Während es bislang nur Affen und Menschen vorbehalten war, dass sie auf Gesichter reagieren, wurde in dieser Untersuchung nun auch bei Hunden diese Fähigkeit entdeckt. So verfügen Hunde schon von ihrer Geburt an über die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen und das Gesehene mit ihrem Gehirn zu verarbeiten.

Im MRT bekamen die Hunde, die hierfür speziell trainiert wurden, einige Bilder sowohl statischer als auch beweglicher Natur gezeigt. Hierunter menschliche Gesichter, Hunde und auch Gegenstände. Allein die Fähigkeit der Hunde, auf zweidimensionale Bilder zu reagieren, musste zuvor trainiert werden. Die Hunde mussten jedes Bild etwa eine halbe Minute lang betrachten. Nur sechs Hunde der Gruppe waren hierzu in der Lage. Das genügte jedoch, um Überraschendes herauszufinden.

Hunde-hirnforschung

Im Temporallappen des Hundegehirns wurde eine besonders starke Aktivität gemessen, wenn die Tiere sich Filme von Menschen und Hunden anschauten. Auch im statischen Bild war die Aktivität in diesem Bereich bei Bildern von Hunden und Menschen besonders stark. Im Vergleich hierzu verzeichneten die Forscher bei Bildern und Filmen von Gegenständen eine sehr viel schwächere Gehirnaktivität. Dass sich auch hier eine gewisse Ähnlichkeit von Mensch und Hund vermuten lässt, ist interessant. So ist der Temporallappen auch im menschlichen Hirn am Erkennen von Gesichtern beteiligt.

Diese letzten Erkenntnisse aus der Gehirnforschung bei Hunden zeigt, dass es in diesem Bereich sicherlich noch einiges zu entdecken gibt. Die Möglichkeit, das tierische Gehirn nun auch in einem MRT zu untersuchen, ist dabei selbstverständlich ein wichtiger Schritt. Auch in der Zukunft wird die Forschung sicherlich weitere Neuigkeiten über das Gehirn unseres besten Freundes zu berichten haben.

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ein Kommentar

  1. Wie kann ein Hund ab seiner Geburt Gesichter erkennen und das gesehene verarbeiten, wenn doch das Sehvermögen erst mit dem 17./18. Tag entwickelt ist.
    Mit freundlichen Wuffs
    Dea Tim

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