Unterstützung auf vier Pfoten – Hunde als Therapeuten

Begleithund-mit-KindDer Mensch kann während seines Lebens immer wieder in Situationen geraten, in denen er sich nicht selbst helfen kann. Ein Kind, das mit niemandem spricht, ein Soldat, der den Krieg einfach nicht vergessen kann und auch eine Frau, deren Depressionen schwer auf ihren Schultern lasten – all diese Menschen haben etwas gemeinsam: Es gibt keinen einfachen Ausweg aus ihrer Misere. Der Gang zum Arzt oder Therapeuten ist ein wichtiger Schritt, braucht es bisweilen eine Person, die sich auskennt mit Auswegen und Lösungen. Nicht zu unterschätzen sind schon seit langer Zeit auch Tiere, die die Wirkung einer therapeutischen Maßnahme unterstützen können. Allen voran erweisen sich Hunde als optimale Wegbegleiter. Schon Sigmund Freud soll die positiven Auswirkungen eines Hundes in der Therapie erkannt haben. Sein Chow-Chow Jofie begleitete viele Patienten auf ihrem Weg zur Besserung.

Wie Hunde Menschen helfen

Auch wenn ein Hund als Haustier bereits positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann, übernimmt ein Therapiehund weit tiefergehendere Aufgaben. Schon die Anwesenheit des Tiers löst Blockaden und Ängste. Menschen finden zum Hund sehr leicht Zugang und können sich dank seiner Zuwendung leichter öffnen, auch wenn es ihnen bislang Therapiehund-mit-alter-Dameschwer fiel. In Therapie treten Patienten häufig zunächst mit dem Hund in einen Dialog, denn das Tier hört zu und wertet das Gehörte nicht. Auch in der Kinderpsychologie ist die Unterstützung von Hunden aus diesem Grund immer gefragter. Kindliche Sorgen lassen sich einem treuen Begleiter weit einfacher vermitteln, während die Worte anderen Personen gegenüber einfach nicht über die Lippen kommen wollen.

Der Stress, dem ein Mensch in Belastungssituationen ausgesetzt ist, zeigt sich auch körperlich. Herzrasen, ein Engegefühl in der Brust, Schwindel und Konzentrationsstörungen treten auf. Ein Therapiehund, der entsprechend geschult ist, hilft dabei, diese Spannungen und Symptome zu lindern. So hat das Tier nicht nur psychische Auswirkungen, sondern verändert auch die hormonellen und chemischen Vorgänge innerhalb des menschlichen Körpers. Es fällt dem Patienten leichter, mit Stress umzugehen und diesen zu kompensieren.

 

Spiegelung und Selbstwahrnehmung

Hunde haben, dank ihrer hohen Sensibilität, ein gutes Gespür für die Emotionen ihres Gegenübers. Oft spiegelt sich im Verhalten eines Therapiehundes auch das Verhalten des Patienten wider. Die Folge dieser Spiegelung ist der Aufbau einer gewissen Sympathie. Hunde bedrängen den Patienten nicht, sondern geben ihm Zeit und Raum zur Entwicklung. Patienten, die im Verhalten eines Hundes ihre eigenen Verhaltensweisen erkennen, können ihre Gefühle oft besser greifen und entsprechend gut mit ihnen arbeiten.

 

Wachkoma – ein Sonderfall mit vielen Wundern

Durch Unfälle und Erkrankungen fallen Menschen in schlimmen Fällen in ein sogenanntes Wachkoma. In Deutschland sind es jährlich allein bis zu 3.000 Kinder, deren Situation zunächst ausweglos erscheint. Das Herz schlägt zwar, doch das Gehirn nimmt äußere Reize kaum wahr und reagiert – wenn überhaupt – nur schwach auf Ansprache und Zuwendung. Es mag zunächst seltsam klingen, doch besonders Hunden gelingt es immer wieder, einen Patienten aus dieser schrecklichen Lage zu befreien.

Therapiehund-mit-KindEin Grund hierfür ist die Tatsache, dass Hunde ohne Ängste und Vorurteile auf den Komapatienten zugehen. Sie schenken ihm ihre Anwesenheit und Wärme und dringen damit nicht selten bis tief in das Innerste einer Person vor. Die spontan-emotionalen Reaktionen des Menschen sind es, die die Reizaufnahme im Gehirn langsam steigern können. Der Hund muss hierfür nicht viel tun, es braucht lediglich Geduld und Ruhe. Gerade Therapiehunde bringen diese Fähigkeiten mit, denn sie werden für ihre spezielle Tätigkeit ausgebildet. Wacht ein Kind dann nach langem Warten zögerlich aus seinem Komazustand auf, wird nicht nur das Tier für sein Durchhaltevermögen belohnt.

 

Die Ausbildung zum Therapiehund

Damit ein Hund seine Tätigkeit als vierbeiniger Therapeut aufnehmen kann, braucht es zunächst eine gründliche Ausbildung. „Gewöhnliche“ Haushunde ohne Erfahrung könnten durch die therapeutische Arbeit überfordert werden und selbst seelische Erkrankungen entwickeln. Da die Patienten, bei denen Therapiehunde eingesetzt werden, nicht selten körperliche Zuckungen haben und unwillkürliche Laute ausstoßen, muss ein Therapiehund stets Ruhe bewahren können, ohne dabei ängstlich oder aggressiv zu reagieren. Ein Mensch, dessen Reaktionen nicht kalkulierbar sind, ist für das Tier nach der Ausbildung keine Gefahr mehr.

So zählen zur Ausbildung eines Therapiehundes besonders praktische Übungen, in denen der Hund mit ungewöhnlichen Situationen und Dingen konfrontiert wird. Dies können Rollstühle, Therapiehunde-helfenKrücken oder auch Krankenbetten sein, doch auch das angstfreie Bewegen in Kliniken mit ihren zahlreichen Fluren, Geräuschen und Aufzügen wird während der Ausbildung trainiert. Vermeintlich gewöhnliche Alltagsgegenstände wie Schirme und Bademäntel zählen zu den Übungsmaterialien, die ein künftiger Therapiehund während seiner Ausbildung kennenlernt. Damit bei der Therapie am Menschen keine Schwierigkeiten auftreten, lernt ein Hund außerdem, Schubser und Stöße zu tolerieren. Eher unangenehme Berührungen und grobes Streicheln werden ebenfalls geübt.

Am Ende seiner Ausbildung ist der Therapiehund in der Lage, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Nicht alle Hunde sind hierfür grundsätzlich geeignet. Hundehalter, die ihren Vierbeiner künftig als Therapiehund einsetzen möchten, sollten daher das Gespräch mit einem Fachmann suchen, um sich beraten zu lassen. Für Hunde ist hierbei zumeist ein Mindestalter von 15 Monaten empfohlen, denn jüngere Tiere sind oft noch zu sehr mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt.

 

 

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