Warum wälzen sich unsere Hunde so gern im Dreck?

Wer kennt es nicht? Der eigene Hund tobt und rennt über Felder und Wiesen. Plötzlich bleibt er stehen und schnüffelt äußerst interessiert an einer bestimmten Stelle auf dem Boden. Und dann ist es auch schon passiert: Der Hund schmeißt sich schwungvoll auf den Boden und wälzt sich hingebungsvoll. In diesem Moment kann man es sich oft schon denken. Der Hund hat sich im günstigsten Falle in Dreck oder Schlamm gewälzt. Schlimmstenfalls handelt es sich um Aas oder Kot, der jetzt im Fell unseres Hundes klebt. Dringend muss eine Dusche her, denn der „Duft“ ist für uns Menschen alles andere als angenehm.

Doch warum lieben viele Hunde das Bad im Dreck so sehr? Restlos erforscht ist dieses Verhalten nicht, doch gibt es einige plausible Theorien dafür.

waelzen

Das hat die Kommunikation mit dem Wälzen im Dreck zu tun

Laut Goodman (Spezialistin für Wolfsverhalten) kommunizieren Wölfe mit der Hilfe des Wälzens. Wölfe nehmen dadurch den Geruch des Aases an und verteilen ihn weiter. Das restliche Rudel erhält dadurch wichtige Informationen über Ort und Zustand der potenziellen Nahrung. Dieses Verhalten gilt bei Wölfen in freier Natur in erster Linie zur Sicherung des Überlebens.

Die erste Theorie lautet, dass unsere Hunde dieses ritualisierte Verhalten ihrer Vorfahren noch in gewissem Maße in sich tragen. In diesem Kontext bezeichnet man das Wälzen als ritualisiert, da unsere Hunde diese Art der Kommunikation eigentlich nicht mehr für ihr Überleben benötigen. Sie werden von uns Menschen versorgt und sind nicht mehr darauf angewiesen, Aas und sonstige gefundene Nahrung zu sich zu nehmen. Für wildlebende Hunderudel kann die Information über eine Nahrungsquelle hingegen wichtig sein.

Exkurs: Wir Menschen haben etwa 5 Millionen Riechzellen in der Nase. Hunde hingegen haben durchschnittlich 200 Millionen dieser Zellen. Die Riechleistung der Hunde ist also um ein Vielfaches höher als die Riechleistung von Menschen. In den meisten Fällen nutzen wir unsere Augen, um uns zu orientieren. Hunde nehmen Informationen in erster Linie also über die Nase auf. Aufgrund dessen schnüffeln sie besonders viel oder halten ihre Nase in den Wind. Außerdem können Hunde einzelne Geruchsstoffe aus einer Fülle von Gerüchen herausfiltern und differenziert verarbeiten. Bis zu 300 Mal können Hunde pro Minute einatmen und neue Duftmoleküle aufnehmen. Die Wichtigkeit der olfaktorischen Kommunikation bei Hunden ist demnach nicht mit dem vergleichsweise schlechtem Riechvermögen von Menschen zu vergleichen.  

Weitere Theorien rund um das Wälzen im Dreck

  • Theorie 2: Imponiergehabe

Eine weitere Theorie besagt, dass Hunde mit ihrem Geruch imponieren möchten. Vielleicht hast du das auch schon einmal bei deinem Hund beobachtet. Nachdem er ein Bad im Dreck genommen hat, kommt er stolz auf dich zu gerannt. Oder er tänzelt selbstbewusst in Riechweite seiner Artgenossen umher. In beiden Fällen wird dein Hund Aufmerksamkeit bekommen.

Hund wälzt sich im Dreck

Vermutlich bist du eher nicht so erfreut über den neuen Duft deines Vierbeiners und fragst deinen Hund, warum er sich nun unbedingt in das Matschloch werfen musste. Andere Hunde hingegen sind in der Regel höchst interessiert und wollen den Duft deines Hundes näher inspizieren. Hier kann er angeben mit seinem neuen Parfum. Aufmerksamkeit bekommt dein Hund so oder so.

  • Theorie 3: Den eigenen Geruch übertünchen

Nicht immer finden Hunde bestimmte Gerüche genauso angenehm wie ihre Menschen. Denken wir dabei an ein stark parfümiertes Shampoo. Der Hund ist nach einem Bad umhüllt von Duftstoffen, welche er unter Umständen am liebsten sofort wieder loswerden möchte. Nichts leichter als das. Im nächsten Haufen Pferdeäpfel wird sich ausgiebig neu einparfümiert. Der Shampoogeruch ist endlich verflogen und wunderbarer Kotduft liegt jetzt im Fell des Hundes. Nun ja, oft beginnt nun das Spiel von vorne.

  • Theorie 4: Sicherheit im Tarnmodus

Neben den selbstbewussten und imponierenden Hunden gibt es auch die etwas schüchternen Fellnasen. Sie sind eher von der ängstlichen Sorte oder haben einfach einen Tag, an dem sie lieber nicht besonders stark wahrgenommen werden möchten. Bestimmt kennst du sie auch – diese Tage an denen dir nicht nach Gesellschaft mit anderen Leuten zu Mute ist. Diese Hunde nehmen dann gerne einen starken Naturduft an. Aas, Dreck oder Kot bieten sich ideal dafür an. Im Tarnmodus können Artgenossen den Hund nicht so gut erschnüffeln.

  • Theorie 5: Liebe

Dies ist die wohl simpelste Theorie in Bezug auf das Wälzen im Dreck. Hunde lieben den Geruch von Mist, Dreck und Schlamm. Für sie ist es ein wahrer Genuss sich ausgiebig darin zu wälzen. Ganz nebenbei fühlt es sich wie eine kleine Massage an. Es kann sich an Körperteilen gekratzt werden, an denen die Hunde im Normalfall nicht so einfach herankommen. Eine spaßige Angelegenheit – für Hunde.

Muss das sein?!

Solltest du deinem Hund das Wälzen abgewöhnen? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Aus menschlicher Sicht kann der natürlich einparfümierte Hund in der Wohnung eine wahre Belästigung darstellen. Besonders ansprechend finden wir den Geruch von Kot und Schlamm nicht. Gerade innerhalb der eigenen vier Wände oder im Auto ziehen wir wohlduftende Substanzen vor.

Dein Hund hat allerdings eine ganz andere Sichtweise. Für ihn sind seine gesammelten Duftstoffe das Non plus ultra. Aus hündischer Sicht macht das Wälzen im Dreck Sinn. Wahrscheinlich empfindet der Hund unser stark duftendes, künstliches Parfum ähnlich unangenehm wie wir sein natürliches „Parfum“.

Wie wäre es mit einem Kompromiss? Vielleicht gönnst du deinem Hund sein heißgeliebtes Schlammbad ab und zu. Tage, an denen nicht direkt im Anschluss an den Spaziergang Termine anstehen und du zeitlich eingespannt bist, können als Chance für deinen Hund dienen.

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Dann verhinderst du den Sprung in den Schlamm deines Vierbeiners nicht wie sonst üblich. Nach dem Gassigang hast du dann die Zeit, um deinen Hund abzuduschen, falls das nötig ist. Erinnere dich nochmal an die 3. Wälztheorie. Achte also darauf, dass keine starken Duftstoffe im Hundeshampoo vorkommen. In einigen Fällen reicht auch die Dusche mit klarem Wasser schon aus. Die Haut deines Hundes und sein Wohlbefinden werden es dir sicher danken.

Möchtest du das Wälzen jedoch verhindern, ist deine Schnelligkeit gefragt. Viele Hundebesitzer ahnen schon vor dem Wälzen, dass es gleich soweit sein wird. Eine schnelle Reaktion von dir verhindert „Schlimmeres“. Umgehe das Schlammloch oder den Haufen der Begierde am besten weiträumig oder lenke deinen Hund ab. Soll es gerade für euch nur ein kleiner Spaziergang ohne großen Aufwand sein, wähle am besten Wege ohne Schlammpfützen.

Meiner Meinung nach ist ein Kompromiss der beste Weg, damit Hund und Mensch auf ihre Kosten kommen. Und sieh` es doch mal so: Dein Hund wirft sich vor dir sorglos auf den Boden. In diesem Moment ist er ungeschützt. Er teilt seine Begeisterung mit dir. Ist das nicht ein echter Vertrauensbeweis?! Manchmal muss man es einfach mit Humor nehmen und sich mit unseren Vierbeinern freuen 😊

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