Das Sprühhalsband – wirklich sinnvoll?

Als Erziehungshilfsmittel wird das Sprühhalsband im Handel häufig als harmlose Alternative zum sogenannten Teletakt (Elektrohalsband) angepriesen, dessen Anwendung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile verboten ist.
erziehung-mit-SprühalsbandDoch ist die als schmerz- und gewaltfrei beworbene Erziehungsmethode wirklich so unschädlich? Im Folgenden wollen wir uns das Gerät ein wenig genauer ansehen und einige Überlegungen zu seinem Einsatz anstellen.

Wie funktioniert ein Sprühhalsband?

Sprühhalsbänder geben ein Gemisch aus Luft und Flüssigkeit (modellabhängig auch mit Duftstoffen) ab, welches den Hund erschrecken und von seinem aktuell gezeigten Verhalten abbringen soll.
Meist geschieht dies in Verbindung mit einem pfeifenden Geräusch, welches entsteht, wenn die Luft aus der Öffnung gepresst wird. Je nach Modell gibt das Gerät als „Vorstufe“ zuvor einen Warnton ab.
Sprühhalsbänder gibt es mit Fernauslöser, das bedeutet, der Mensch hat die Kontrolle darüber, wann der Sprühstoß ausgelöst werden soll, aber auch als Automatik-Ausführung. Die Automatik-Variante soll auf akustische Signale – in der Regel auf das Bellen des Hundes – reagieren.

Wie beurteilen Fachleute den Einsatz von Sprühhalsbändern?

Von manchen Hundetrainern wird der Gebrauch von Erziehungshilfsmitteln wie dem Sprühhalsband nach wie vor als denkbare Alternative für „Härtefälle“ angesehen. Als mögliche Einsatzgebiete werden unter anderem Jagen, Ignorieren des Rückrufes, anhaltendes Bellen oder Kotfressen genannt.
Insbesondere ungestüme, sehr körperlich orientierte Hunde, die auf andere Methoden nicht ansprechen, sollen mögliche Kandidaten für den Einsatz eines Sprühhalsbandes sein.
Der Sprühstoß dürfe dabei nicht als Strafe, sondern vielmehr zur Ablenkung des Hundes erfolgen, um das aktuell gezeigte Verhalten abzubrechen. Zeigt der Hund in der Folge erwünschtes Verhalten, so solle er sofort dafür gelobt werden.
Der Einsatz des Gerätes müsse sehr gezielt und konsequent erfolgen. Der Gebrauch soll also durchdacht sein und einem System folgen, d. h. das Sprühhalsband dürfe nicht wahllos in verschiedenen Situationen gebraucht werden.
Von automatisch auslösenden Geräten wird eher abgeraten, da diese nicht immer zuverlässig, das heißt im richtigen Moment und schnell genug, auslösten.
Ein begleitendes Training unter Anleitung eines erfahrenen Hundetrainers sowie ein guter Grundgehorsam seien dabei immer zu empfehlen.

sprühhalsbandDie Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) hingegen nimmt in ihren Merkblättern Nr. 70 („Tierschutzwidriges Zubehör in der Hunde- und Katzenhaltung“) und Nr. 51 („Elektrische Hunde- Erziehungshilfen, z. B. Telereizgerät“) eine eindeutig ablehnende Position ein.

Der Gebrauch eines solchen Gerätes ist demnach als tierschutzwidrig anzusehen, da es zu einer erhöhten psychischen Belastung sowie zu Angst führen kann.

Als Gründe hierfür werden genannt:

  • Das Prinzip eines Sprühhalsbandes ist das Erschrecken bzw. Bestrafen des Hundes. Ziel ist das Abbrechen des momentan gezeigten Verhaltens. Der Hund kann den unangenehmen Reiz jedoch nur dann mit seinem aktuellen Verhalten verknüpfen, wenn dieser sofort, und das bedeutet innerhalb einer halben Sekunde (!), erfolgt.
    Die automatisch auslösende Variante des Sprühhalsbandes reagiert häufig viel zu spät, was zum Ausbleiben einer Verknüpfung oder zu Fehlverknüpfungen führen kann. Unverständnis, Stress, Vertrauensverlust, Verunsicherung und Angst können die Folgen sein. Eine erhöhte Nervosität und das Auftreten neuer Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Geräuschangst) sind häufige Nebenwirkungen.
    Befindet sich zum Zeitpunkt des Sprühstoßes beispielsweise ein Jogger, ein Kind oder ein anderer Hund in der Nähe des Hundes, so kann er dessen Anwesenheit mit dem unangenehmen Gefühl in Verbindung bringen. Daraus können gefährliche Situationen entstehen.
    Auch bei der Fernbedienungsvariante können Fehler auftreten: Zunächst muss der Mensch sofort reagieren, dann muss das Gerät sehr schnell auslösen – beides relativ unsichere Faktoren, die zu denselben Problemen führen können.
  • Die eigentliche Ursache des (Verhaltens-)Problems wird durch den Einsatz eines Sprühhalsbandes häufig nicht behoben bzw. oft nicht einmal erkannt. Der Hund versteht nicht, was eigentlich von ihm erwartet wird; er bricht sein Verhalten lediglich ab, da er der Strafe entgehen möchte. Das unerwünschte Verhalten wird so nur unterdrückt. Der Hund reagiert darauf mit Unverständnis, Hilflosigkeit, Stress und Angst.
  • Bei den automatisch auslösenden Halsbändern („Anti-Bell-Halsbänder“) muss ein weiterer wichtiger Punkt bedacht werden: Das Bellen gehört grundsätzlich zum Normalverhalten eines Hundes, daher sollte es nicht bestraft werden. Zeigt ein Hund jedoch häufig und lange anhaltend unerwünschtes Bellen, so sollte versucht werden, das Problem über andere Erziehungsmethoden anzugehen, die der Hund besser verstehen kann (z. B. über positive Verstärkung). In schwierigen Fällen kann auch eine Verhaltenstherapie unter fachkundiger Anleitung zum Erfolg führen.
  • Bei „Anti-Bell-Halsbändern“ kommt erschwerend hinzu, dass sie oft auch durch ähnliche Geräusche aktiviert werden, etwa wenn ein anderer Hund bellt. Der Träger des Halsbandes wird so zu Unrecht bestraft bzw. eingeschüchtert. Dies kann zu permanenter Unsicherheit, Angst und Verhaltensstörungen führen.
  • Es gibt auch Hunde, die auf den Sprühstoß hin ihr Verhalten nicht abbrechen. Für diese Tiere stellt das Gerät lediglich einen Stör- bzw. Stressfaktor dar; ein Lerneffekt bleibt gänzlich aus.

 

unerwünschtes-BellenAlternativen zum Sprühhalsband
Trainingsmethoden, die über positive Verstärkung arbeiten, sind heutzutage allgemein anerkannt. Dabei wird erwünschtes Verhalten durch gezielte Belohnung gefördert, während unerwünschtes Verhalten durch das Ausbleiben einer Belohnung seltener gezeigt wird.
Ein motivierter und psychisch entspannter Hund lernt schneller, stressfreier und mit Freude. Das Vertrauensverhältnis zu seinem Besitzer nimmt keinen Schaden; es wird durch die Trainingsmethode eher noch verbessert.
Ein gutes, durchdachtes Training ist dem Einsatz eines Erziehungshilfsmittels wie dem Sprühhalsband daher eindeutig überlegen.

Auf Verhaltenstherapie spezialisierte Tierärzte bieten spezielle Sprechstunden und ein individuelles Training für „Problemfälle“ an, und auch in guten Hundeschulen bzw. bei seriösen Hundetrainern findet sich professionelle Hilfe.

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