Leben mit einem tauben Hund – Wirklich so schwer?

Ein Hund stellt ohne Zweifel eine Bereicherung für das Leben seines Besitzers dar. Egal, ob jung, alt oder inmitten seiner wilden Jahre ist der Hund ein treuer Begleiter und entwickelt sich zu tauber-hundmehr als nur einem Hobby. Genau wie der Mensch selbst können jedoch auch Hunde von bestimmten Behinderungen betroffen sein. Taubheit, Blindheit und auch fehlende oder deformierte Gliedmaßen machen eine besondere Behandlung des Tieres notwendig, schmälern die Freude am Vierbeiner jedoch nicht. Wer einen tauben Hund bei sich aufnimmt, sollte sich daher nicht vor unüberwindbaren Hürden fürchten. Fast immer ist ein Leben ohne Hörsinn ohne eine ausufernde Spezialbehandlung möglich.

 

Wie die Taubheit erkannt wird

Ob ein Hund taub ist, lässt sich bei der bloßen Betrachtung des Tieres nicht feststellen. Auch Welpen, die nach der Geburt zunächst ihre anderen Sinne schärfen, können erst ab einem Alter von drei Wochen als taub erkannt werden. Zu den besonders häufig betroffenen Rassen gehören:

Insbesondere weiße Hunde oder Vierbeiner mit merlefarbenem Fell sind häufiger von Taubheit betroffen. Dieser Zusammenhang ist nicht willkürlich, denn Fachleute vermuten, dass die genetisch bedingte Taubheit durch eine veränderte Versorgung der Gehörgangschnecke entsteht. Diese wiederum dürfte in engem Zusammenhang mit den farbgebenden Genen stehen. Inwiefern Vererbung bei tauben Hunden eine Rolle spielt, ist bislang noch nicht geklärt. Taube Hunde sollten dennoch nicht in der Zucht eingesetzt und nach Möglichkeit kastriert werden.

hund-taubHerausfinden, ob ein Hund taub ist, kann der Tierarzt mit einem sogenannten audiometrischen Test. Im Rahmen dieser Testung erfolgen elektrische Stimulationen, auf die bei einem tauben Hund andere Reaktionen erfolgen als bei einem normal hörenden Tier.

Taube Welpen schaffen es auch heute nicht immer in eine liebevolle Familie. Viele Züchter haben Angst, dass ihre Reputation durch die Vermittlung eines tauben Welpen Schaden nehmen könnte und lassen die kleinen Hunde daher lieber einschläfern. Glücklicherweise wandelt sich dies jedoch in den vergangenen Jahren, sodass verantwortungsbewusste Züchter auch tauben Welpen eine Chance geben. Interessant wird es, wenn der Züchter gar nicht erst merkt, dass es sich bei einem Welpen um einen tauben Hund handelt. Dann nämlich wird der Hund einfach vermittelt und der neue Besitzer wird erst im Rahmen der Erziehung und des Zusammenlebens Probleme bekommen. Dann nämlich gelten viele taube Hunde als unverbesserliche Sturköpfe, die aus Unwissenheit und Hilflosigkeit im Tierheim abgegeben werden. Das weitere Schicksal solcher Hunde hängt dann von der Fähigkeit der Tierpfleger ab, die Taubheit zu erkennen und den Hund sinnvoll zu begleiten.

 

Einen tauben Hund erziehen

Klassische Kommandos wie „Sitz!“ oder auch „Platz!“ gehen an einem tauben Hund praktisch unregistriert vorüber. Dies hat selbstverständlich nicht bloße Sturheit als Ursache, denn der Hund ist einfach nicht in der Lage dazu, das gesprochene Wort seines Herrchens wahrzunehmen. Bei der Erziehung eines tauben Hundes sind sichtbare Handzeichen daher unerlässlich. Durch sie lernt der Hund, sich beispielsweise beim Erblicken des in die Höhe gereckten Zeigefingers hinzusetzen.

Da taube Hunde sich in aller Regel sehr eng an ihren Besitzer binden und häufig Augenkontakt herstellen, lassen sie sich recht gut erziehen. Die Behinderung des Tieres veranlasst es dazu, seine anderen Sinne verstärkt einzusetzen, was die Erziehung deutlich erleichtert. Gewöhnliche Befehle kann ein tauber Hund daher genauso gut lernen wie ein hörendes Tier.

hundeliebeEin wichtiges Thema ist jedoch das freie Laufen ohne Leine. Schließlich ist es nicht möglich, einen tauben Hund im Gelände kurzerhand abzurufen, wenn er sich zu weit entfernt. Auch hier sind Sichtzeichen das A und O. Diese werden am besten auf einem eingezäunten, aber ausreichend großen Gelände eingeübt. Das gewählte Zeichen sollte auch aus einiger Entfernung gut erkennbar sein. Empfehlenswert sind also beispielsweise in die Höhe gestreckte Arme. Je früher mit dem Training begonnen wird, desto sicherer bewegt sich ein tauber Hund später auch ohne Leine. Rassetypische Eigenschaften wie Jagdtrieb sollten dabei selbstverständlich genau wie bei einem hörenden Tier berücksichtigt werden. Manche Besitzer tauber Hunde bedienen sich auf Spaziergängen außerdem zusätzlicher Hilfsmittel wie Blinklichtern oder Vibrationshalsbändern.

Nicht zu empfehlen ist es, den tauben Hund aufgrund seiner Behinderung einzuschränken. Erhält das Tier nicht ausreichend Freilauf und Bewegung, so wird es sich auf Dauer unausgeglichen und unter Umständen sogar aggressiv verhalten.  Dies ist auch ein Grund dafür, dass tauben Hunden oftmals ein höheres Aggressionspotenzial beigemessen wird. In der Regel steckt hinter dieser Verhaltensweise ein unzufriedenes Tier, das mehr Auslastung benötigt. Die gleiche Reaktion dürfte auch bei einem hörenden Hund zu erwarten sein.

 

Taube Hunde im Haus und auf dem Grundstück

Ein tauber Hund ist durchaus dazu in der Lage, sich ganz normal im Haus und auf dem Grundstück zu bewegen. Optimal ist es jedoch, wenn ein souveräner Ersthund im Haushalt lebt, an dem sich das taube Tier orientieren kann. Dies ist vor allem dann vorteilhaft, wenn der Besitzer den tauben Hund aus einem anderen Raum ohne Sichtkontakt zu sich rufen möchte. Geht der Ersthund zu seinem Besitzer, dürfte der taube Vierbeiner ihm in aller Regel folgen. Doch auch als Einzelhund kann ein tauber Hund durchaus gehalten werden. Wer ihn rufen möchte, muss dann jedoch stets für Sichtkontakt sorgen.

Der Hundehalter sollte für seinen tauben Begleiter eine sichere Umgebung ohne besondere Gefahren schaffen. Auch eine Umzäunung des Grundstückes gehört hierzu, denn läuft ein tauber Hund auf die Straße, kann er herannahende Fahrzeuge nicht hören und die Unfallgefahr steigt. Da eingezäunte Grundstücke und eine sichere Wohnumgebung jedoch auch bei hörenden Hunden als wichtige Voraussetzung gelten, generiert ein tauber Hund auch hier keinen besonderen Mehraufwand.

tauberhund

Letztlich also ist das Halten eines tauben Hundes für gewöhnlich ohne eine große Umstellung oder besondere Vorkehrungen möglich. Wichtig ist nur, dass der Besitzer mit Verständnis auf die Behinderung seines Vierbeiners reagiert und ihm eine entsprechend rücksichtsvolle und angepasste Behandlung zukommen lässt. Dann entwickelt sich auch ein tauber Hund zu einem echten Freund fürs Leben.

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2 Kommentare

  1. Ich habe einen 13-jährigen roten reinrassigen Cocker, der nichts hört. Erst dachte ich, es läge an der Sprache, da ich ihn aus Frankreich habe, dass das nicht so ist, habe ich bemerkt, als ich nachts sehr heftig und laut niesen musste, der aber seelenruhig vor dem Bett liegen blieb. Jetzt war mir klar, weshalb der im Wesenstest als ichbezogen und eigenwillig beschrieben wurde. mir fiel auch sofort sein Steckbrief ein, in dem hundeerfahrene Halter für ihn gesucht wurden, auch dass er gelegentlich schnappt, sobald er erschrocken wird.
    Er fand Vertrauen, läuft an der Leine und orientiert sich an deutlich an mir, weicht generell anderen Hunden aus, so weit ihn die Rollleine ausweichen lässt. In der bekannten Gruppe läuft er problemlos mit, hat ein gewöhnliches Sozialverhalten entwickelt. jetzt, nach über zwei Jahren, wäre er bereit für die Begleithundeprüfung, ich will das mit eiem 15-jährigen Hund aber nicht mehr machen, mit mir und dem Umfeld in dem er sich eingelebt hat, klappt alles und er soll seine letzten Jahre noch stressfrei genießen. Er ist ein richtiges Schmusepäckchen geworden und er verlangt jeden Tag einige Stunden Aufmerksamkeit und geistige Arbeit, ist aufgelebt und tobt gerne herum, genießt seinen dritten Frühling.

    *lach* Er kann Lippenlesen. sitzt er abends vor mir und ich forme mit den Lippen „A B E N D E S S E N“ ist er Nu auf und steht vor seiner Schüssel.

  2. Unsere kleine weiße Mischlingshündin kam im August 2017 aus Spanien zu uns. Da war sie knapp 2 Jahre alt. Die Tierschutzorganisation hatte uns nicht informiert, dass sie taub ist, oder sie wussten es tatsächlich nicht. Am Anfang war ich ziemlich ratlos, zumal es mein erster Hund ist und ich mir vorstellte, dass ich einen Hund so erziehe, dass er aufs Wort hört – tja, ohne Gehör schwierig. Ich habe dann gehört, dass es Vibrationshalsbänder gibt. Das erste (preiswerte) konnte man vergessen, das war nicht zuverlässig – mal vibrierte es, mal nicht, das kann man bei einem tauben Hund nicht gebrauchen! Ich habe dann investiert (ich glaube es waren ca. 300 €) und ein richtig gutes gekauft. Lohnende Investition! Wir fingen zuhause mit dem Training an. Zunächst ist die kleine Maus weggelaufen, wenn es vibrierte. Dann „regnete“ es Leckerlis wenn es vibrierte und schon gewöhnte sie sich. Dann ging es mit der Schleppleine in den Wald. Vibration, drauf treten, Hund dreht sich um, belohnen. Es hat nicht lange gedauert, bis sie das kapiert hat. Inzwischen reicht ihr als Belohnung mein nach oben zeigender Daumen. Sie kennt die Handzeichen für „komm her“, „bleib stehen“, „sitz“ und „platz“. Es gibt auch noch ein „komm schnell her“ und natürlich „hast du gut gemacht“. Es klappt toll! Wenn uns ein Fahrrad entgegen kommt, brauche ich sie meist gar nicht mehr „rufen“, sie dreht sich von selbst zu mir um und fragt mich quasi „was soll ich tun“. Ich laufe inzwischen fast überall mit ihr ohne Leine. Ich bin allerdings auch sehr aufmerksam, wenn ich mit ihr gehe. Da sie ja nichts hört, muss ich bereits früh mögliche Gefahren sehen und sie „rufen“.
    Es lohnt sich sehr, in einen tauben Hund Zeit zu investieren! Für mich ist es eine tolle Erfahrung!

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