Warum strecken sich Hunde jedes Mal, wenn sie aufstehen?

Beobachtest du das auch immer bei deinem Hund? Nach dem Aufstehen wird sich erst mal ausgiebig gestreckt. Dabei ist es augenscheinlich egal, ob der Hund Stunden geschlafen hat oder nur ein paar Minuten seine Ruhepause genossen hat. Hinter dem Strecken steckt aber so einiges mehr, als wir zunächst denken mögen. Wir sind dem Streckverhalten auf die Spur gegangen.

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Good Morning

Das Stretching nach einem längeren Schläfchen ist instinktiv in unseren Hunden verankert. Bei ihren Vorfahren, den Wölfen, ist das ebenfalls zu beobachten. Durch das Strecken wird die Muskulatur für die aktiven Phasen vorbereitet. Für den Wolf ist das morgendliche Strecken durchaus ein wichtiger Prozess. Es könnten schließlich Gefahren lauern oder es könnte ein Beutetier in der Nähe sein. Durch das Strecken ist die Muskulatur bereits gewissermaßen vorbereitet und aufgewärmt. Schnelle Bewegungen oder ein Sprint sind für das Tier sehr viel anstrengender, wenn die Gelenke und Muskeln eigentlich noch in der Ruhephase sind. Es gilt also, zunächst die Durchblutung im Körper anzukurbeln. Zudem ist die Verletzungsgefahr nach dem ausgiebigen Strecken geringer.

Unsere Haushunde tragen dieses Verhalten immer noch in sich. Bei uns Menschen sieht es übrigens ähnlich aus. Im Schlaf verkürzt sich unsere Tiefenmuskulatur durch die Entspannung sogar. Auch wir strecken uns instinktiv, um unsere Muskeln einsatzfähig zu machen.

Die beiden häufigsten Varianten des Streckens

Der Buckel

Viele Hunde machen nach dem Aufstehen einen deutlichen „Katzenbuckel“.  Dies ist eine der Varianten, um sich zu strecken. Währenddessen wird meistens auch der Hals nach oben oder unten gereckt, um das genüssliche Strecken noch zu verstärken. Macht dein Hund nach dem Aufstehen einen Buckel, ist dies ein völlig normales Verhalten im Stretching-Repertoire. Zeigt dein Hund jedoch über den Tag verteilt auch während der Bewegung einen Buckel, steckt vermutlich etwas anderes dahinter. Starke Rücken- oder Bauchschmerzen beispielsweise zwingen den Hund sich zu verkrampfen und diesen „Schmerzbuckel“ zu zeigen. Oft ist dabei das Fell auf Rücken und/oder Nacken gesträubt.

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Ähnlich verhält es sich beim Streicheln oder Fressen. Einige Vierbeiner zeigen den Buckel, wenn sie besonders angenehm gekrault werden. Zittert dein Hund jedoch oder jault er bei der Berührung auf, plagen deine Fellnase nicht unerhebliche Schmerzen. Zeigt dein Hund während seiner Mahlzeit ebenfalls einen Buckel und wirkt angespannt, gilt gleiches. In diesem Fall solltest du unbedingt einen Tierarzt aufsuchen. Der Buckel beim Hund als solches hat also viele Facetten und ist immer kontextbezogen zu betrachten.

Die Vorderkörpertiefstellung

Nach längerem Liegen strecken sich die meisten Hunde einmal komplett durch. Der Oberkörper des Hundes wird tief durchgestreckt, wobei auch die Vorderbeine nach vorne gestreckt werden. Das Hinterteil bildet bei der Vorderkörpertiefstellung die höchste Position. Durch dieses Stretching wird der gesamte Hundekörper gedehnt, denn selbst der Unterbauch wird weit gestreckt. Übrigens wird die Vorderkörpertiefstellung häufig mit dem Katzenbuckel kombiniert. Besonders nach langen Ruhephasen wird dadurch jeder Muskel des Hundekörpers aktiviert. Es handelt sich dabei also um ein völlig normales Hundeverhalten. Vergleichbar sind diese Streckübungen mit unserem menschlichen Strecken nach dem Aufstehen. Auch wir dehnen dabei sämtliche Muskeln und Bänder.

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Die Vorderkörpertiefstellung im anderen Kontext

Grundsätzlich ist die Vorderkörpertiefstellung eine Haltung aus der sich der Hund recht spontan und flink in mehrere Richtungen bewegen kann. Weil der Kopf dabei sehr tief getragen wird, wirkt die Körperhaltung nicht bedrohlich oder ernst. Besonders häufig kann man dieses Herunterbeugen bei eher unsicheren Hunden in der Kommunikation mit Artgenossen beobachten.

Die Vorderkörpertiefstellung als Spielverhalten

Viele Hunde beginnen ein Spiel mit Artgenossen in dieser Position. Die Vorderkörpertiefstellung gehört in diesem Zusammenhang zu den sogenannten Metasignalen. Ein Metasignal verleiht einer bestimmten Situation eine entsprechende Bedeutung für die folgenden Verhaltensweisen. Es dient dem Gegenüber sozusagen als Orientierungshilfe. Zu einem Spiel unter Hunden gehört hin und wieder auch ein angetäuschtes Beißen oder Knurren. Die Spielverbeugung nimmt dem Spiel dann die Ernsthaftigkeit und zeigt, dass es sich um ein freundliches und entspanntes Miteinander handelt. Zur Verdeutlichung: ein menschliches Metasignal ist beispielsweise das Augenzwinkern. Als Metasignal verdeutlicht es dem Gegenüber, dass das gerade gemeinte Verhalten oder die Äußerung keinen ernsten Charakter hat.

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Spielaufforderung

Zusammenfassend mildert die Vorderkörpertiefstellung also Anspannung ab oder fordert zum Spiel auf. An folgenden Merkmalen erkennst du, dass die Position spielerisch bzw. als Metasignal gezeigt wird:

  • Der Hund wirkt insgesamt locker
  • Der Gesichtsausdruck wirkt wach und verspielt
  • Zusätzlich wird manchmal ein Spielbellen gezeigt
  • Oft dreht sich der Hund um die eigene Achse, um dann wieder in die Spielverbeugung zu kommen

Die Vorderkörpertiefstellung bei Schmerzen

Du wirst mit Sicherheit gut erkennen, ob dein Hund diese Position zum einfachen Strecken, als Spielaufforderung oder aber als Zeichen von Schmerzen und Unwohlsein zeigt. In Verbindung mit gesundheitlichen Problemen gibt es einige Merkmale, auf welche du achten solltest:

  • Der Bauch fühlt sich hart und aufgebläht an
  • Die Rutenhaltung ist angespannt oder unter den Bauch geklemmt
  • Der Hund zeigt die Position immer wieder und ohne erkennbaren Grund
  • Das Gesicht wirkt ebenfalls angespannt
  • Der Hund hat Verdauungsprobleme und/oder verweigert Futter/Leckerlis

Die oben genannten ersten erkennbaren Merkmale weisen darauf hin, dass der Hund Schmerzen hat. Je nach Ursache kann weiteres Schmerzverhalten, Fieber, Erbrechen, Zittern, Unruhe etc. hinzukommen. Beobachtest du dieses Verhalten bei deinem Hund, reagiere sofort und suche einen Tierarzt auf. Es könnten zwar „einfache“ Rücken- oder Bauchschmerzen dahinterstecken, es könnte sich allerdings um einen Notfall wie einen Darmverschluss oder eine Magendrehung handeln. In diesem Fall kann nur ein Tierarzt helfen. Warte also nicht, sondern suche direkt Hilfe für deinen Vierbeiner.

Strecken ist nicht gleich strecken

Wie du siehst, können hinter den Stretchingübungen deines Hundes eine Menge Kommunikationssignale stecken. Das genüssliche Strecken nach dem Aufstehen, die Aufforderung zum Spiel oder als Zeichen von Schmerzen: Die (vermeintlichen) Dehnpositionen müssen immer kontextbezogen betrachtet werden. Generell solltest du immer auch die weiteren körpersprachlichen Signale deines Hundes berücksichtigen, um die Bedeutung wahrzunehmen.

Übrigens gibt es einige Stretchingübungen auch für uns Menschen übernommen: Denke da mal an den „Herabschauenden Hund“ als Yogaübung. Im Yoga wird diese Position als beruhigend für Körper und Geist beschrieben. Zudem dehnt diese Übung sämtliche Muskeln, Sehnen und Bänder. Man merkt, wie die Energie zurück in die Tiefenmuskulatur gelangt und man sich fitter fühlt. Wir können also einiges von unseren Hunden lernen und adaptieren 😊

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Das Stecken ist außerdem abhängig von der Gesundheit und Charakter deines Hundes. Erzähle uns gerne, wie sich dein Vierbeiner verhält. Gehört er zu den Hunden, welche sich gerne lange und ausgiebig strecken? Oder beobachtest du das Strecken bei deinem Hund kaum? 

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