Schweißarbeit mit dem Hund – Worum geht es da?

Weshalb benötigt ein Hund eine Schweißhundeausbildung?


Schweiß steht in der Jägersprache für Blut. Wenn der Jagdhund als Schweißhund ausgebildet wird, soll er somit Blut oder ein verletztes Tier aufspüren, das der Jäger getroffen aber noch nicht erlegt hat. Dabei handelt es sich in erster Linie um Schalen- und Schwarzwild.

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Die Arbeit des Schweißhundes und seines Hundeführers beginnt meistens erst einige Stunden nach dem Schuss des Jägers, der meistens mit dem Hundehalter identisch ist. In der Zwischenzeit wird dem Wild ein Augenblick Ruhe gegönnt, damit es seinen Adrenalinüberschuss abbauen kann. Würde man die Jagd sofort fortsetzen, dann kann sich das Wild weiter vom eigentlichen Jagdgebiet entfernen.
Auf diese Weise begrenzen die Veranstalter die Jagd auf ein Gebiet von wenigen Kilometern.

Durch was zeichnen sich Schweißhunde aus?

Damit die Schweißhunde die Witterung des Wildes schnell und genau aufnehmen, benötigen sie eine besondere Nase. Im Verhältnis zum Menschen mit seinen fünf Millionen Riechzellen verfügt der Hund über mehr als 200 Millionen. Um diese Riechleistungen zu erbringen, führt er bis zu dreihundert Atemzüge pro Minute aus, die gleichzeitig zehn Prozent seiner geistigen Aktivität beanspruchen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Stereoriechen. Auf diese Weise kann der Hund die korrekte Fährte gleich in der richtigen Richtung suchen. Dabei nutzt der Vierbeiner das Jacobsonsche Organ.

Genauso wichtig sind das feste Wesen und ein ausgeprägter Finderwillen. Sein fester Wille, das getroffene Wild auch noch am nächsten Tag zu suchen und zu stellen, ist eine besondere Eigenschaft. Der Hund darf sich während der Erfüllung seiner Aufgaben auf keinen Fall von anderen Umwelteinflüssen ablenken lassen.

Schweißarbeit mit Hund

Welche Rassen sind für die Schweißhundeausbildung besonders geeignet?

Für die Arbeit als Schweißhund haben sich bestimmte Rassen als besonders effizient erwiesen. Zu ihnen gehören beispielsweise der

Welche Inhalte werden bei der Schweißhundeausbildung vermittelt?

Während der Schweißhund seine Fähigkeiten durch die Übungen und anschließende Praxis erlangt, muss der Hundeführer sowohl die rechtlichen als auch fachlichen Grundlagen in zielführenden Schulungen und Übungen erlernen.

Besonders wichtig sind die gesetzlichen Vorgaben, die sich von Land zu Land unterscheiden können. Ein Eckpunkt stellt in diesem Zusammenhang die professionelle Nachsuche dar, mit der das Wild nach dem Schuss gesucht und gestellt wird. Hierzu gehören die Nachsuche- und Meldepflicht, die registriert und dokumentiert werden. Außerdem muss der Hundeführer mit der Wildhut zusammenarbeiten. Gleiches gilt für die Nachsuche in Banngebiete als auch für das Schnallen oder dem Freilauf des Hundes.

Im zweiten Teil der theoretischen Schulung geht es um die Anatomie des Wildes. Mit diesem Wissen kann der Hundeführer die Pirschzeichen des fliehenden Tieres richtig interpretieren. So lässt sich die Nachsuche optimaler planen und an die aktuelle Situation in Wald und Flur anpassen. Dieses Wissen wird schon bei der Jungjägerausbildung vermittelt und dient bei der Schweißhundefortbildung zur Vertiefung. Der Lernstoff umfasst das Blut, das Deckhaar sowie alle Organe der heimischen Wildtierarten, einschließlich der Skelettstrukturen.

  1. Teambildung von Mensch und Hund

Für eine erfolgreiche Nachsuche und das effektive Stellen des Wildes bilden der Hundeführer und sein Schweißhund ein Team, das die gleiche Sprache spricht. Da der Hund nur eine begrenzte Anzahl von Befehlen auf Dauer erlernen und anwenden kann, sendet er in erster Linie körperliche Signale. Aus den Befehlen des Hundeführers und dem körperlichen und akustischen Verhalten des Hundes ergeben sich die Schlussfolgerungen, die den Führer zu seinen nächsten Anweisungen veranlassen.

  1. Erlernen der definitiven Grundkommandos

Jeder Schweißhund benötigt für seine Arbeit fünf Grundkommandos, die er bei seiner Ausbildung erlernt und auf die er perfekt reagieren muss.

Am Anfang stehen die beiden Positionskommandos, die jeder Hund beherrscht, egal ob normaler Haushund oder speziell ausgebildeter Schweißhund.

Mit den Befehlen «Sitz» und «Platz» wird dem Hund der notwendige Gehorsam beigebracht. Diese Anweisungen sind bei der Schweißarbeit deshalb erforderlich, da der Nachsucheführer den Schweißhund auch in schwierigem Gelände problemlos ablegen muss. Jede dieser Übungen wird mit dem Hund mehrfach unter Stress geübt, bis er sie ohne sich ablenken zu lassen beherrscht. Der dazugehörige Stress wird durch flüchtendes Wild, zufällige Schussabgaben und freilaufende Jagdhunde trainiert. Hierbei darf sich der Schweißhund nicht von Artgenossen zum Spielen verleiten lassen.

«Hier» ist ein Befehl, mit dem der Hundeführer seinen Vierbeiner jederzeit im Wald als auch vom gestellten Wild abruft. Hat der Schweißhund das Wild gestellt, wird es vom Jäger mit einem gezielten Schuss erlegt. Mit dem Befehl «Hier» muss der Hundeführer seinen Hund vom erschöpften und in die Enge getriebenen Wild abziehen können, damit der Jäger seinen Schuss problemlos und ohne den Hund zu gefährden anbringt. Gleiches gilt, wenn der Hund sich bei der Verfolgung einer befahrenen Straße nährt und zurückgerufen werden muss.

Nun folgt der Befehl «Aus». Angenommen, der Schweißhund hat die Beute gestellt und möchte sich jetzt entsprechend seinem tierischen Naturell als Jagdhund in das Wild verbeissen. Dazu kommt, dass er die Beute öffnet oder «anbeisst». Beide Verhaltensweisen werden dem Hund durch den Befehl «Aus» verboten. Er hat sich sofort vom Wild zu trennen, wartet jedoch in dessen unmittelbarer Nähe und gibt dann die Jagdbeute an den Jäger aus.

Das Wort «Such» verbindet der Hund mit dem Beginn seiner Jagd. Er nimmt die Fährte des Wildes auf und folgt ihr bis er die Anweisungen «Hier», «Aus» oder «Platz» erhält.

Zwischen den einzelnen Einsatzoptionen macht jeder Hund schon einmal einen Fehler, indem er den Befehl «Sitz», «Platz», «Hier» oder «Aus» nicht wie gewünscht ausführt. In diesem Fall greift der Hundeführer auf «Nein» zurück. Hört der Hund ein «Nein», stellt er jede Aktivität ein und wartet auf die nächste Anweisung seines Herrchens oder Frauchens.

  1. Leinenführung und Fährtenauswertung

Neben dem freien Laufen oder Schnallen wird der Hund jedoch meistens an der Leine geführt. Diese Vorgehensweise wird vor allem bei der Nachsuche angewandt, wenn der Hund bei der Riemenarbeit seinen Hundeführer in die Richtung des flüchtenden Wildes führt. Diese Übung gewöhnt den Vierbeiner daran, dass er auch in den meisten Ortschaften, Waldgebieten und der dazugehörigen Feldmark an der Leine laufen muss.

Ein guter Fährtensucher kann seinen Hund bei der Arbeit effektiv unterstützen. Er sieht an bestimmten Anzeichen genau, wohin er sich mit seinem Vierbeiner bewegen muss, um das Wild möglichst schnell und effektiv zu stellen. Um diese Fähigkeiten zu erlernen, bekommt er von Inspektoren und Nachsuchrichtern zahlreiche praktische Anweisungen und Ratschläge. Mit ihnen kann er seine Fähigkeiten – genauso wie bei der Befehlsvergabe und der Leinenführung – zielgerichtet verbessern. Die besten Ergebnisse erzielen die Prüfer und ihre Schüler mit dem Sequenzentraining.

  1. Schlepp- und Fährtenarbeit sowie das reale Nachsuchen

Mit der Schlepparbeit ist die genaue Spurensuche gemeint, die mit jungen als auch mit älteren Hunden mehrfach trainiert werden muss. Mit ihr bereitet der Hundeführer seinen Vierbeiner auf die nächste Jagdsaison vor.

Während der Schlepparbeit übt der Hundeführer mit seinem Hund auch die Teambildung. Mit jedem Trainingstag verbessert sich die Leistung bis es um die reale Nachsuche geht.

Bei der realen Nachsuche konzentrieren sich die für die Jagd Verantwortlichen auf Hundeteams, die alle Befehle sowie die notwendigen Praktiken – wie die Leinenfähigkeit und die Schlepparbeit – beherrschen und sich jeweils durch eine hohe Belastbarkeit auszeichnen.

Bracke bei der Schweißarbeit
  1. Schriftliche und praktische Prüfungen

Um an einer Jagd mit seinem Schweißhund teilnehmen zu können, legt der Hundeführer eine schriftliche Prüfung ab. Dazu kommt ein praktischer Nachweis, den er zusammen mit seinem Hund absolviert.

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