Nesselsucht (Urtikaria)

Unter dem Begriff Nesselfieber (auch: Nesselsucht oder Urtikaria) versteht man eine Hautreaktion mit Quaddelbildung, wie sie auch beim Hund zuweilen vorkommt.
Häufige Ursachen sind allergische Reaktionen, beispielsweise auf Insektenstiche oder bestimmte Medikamente, aber auch (Über-)Empfindlichkeiten gegenüber äußeren Einwirkungen wie Druck, Hitze oder Kälte.
Die Erkrankung kann akut oder chronisch auftreten, und die Behandlung ist nicht immer einfach.

Krankheitsbild
Das Nesselfieber ist an einen Auslöser gekoppelt. Ist dieser am oder im Körper des Hundes vorhanden, so reagiert dieser mit der typischen Quaddelbildung. Diese tritt meist sehr schnell auf, d. h. innerhalb weniger Sekunden bzw. Minuten.
Der Kopf des Hundes ist sehr häufig betroffen, aber auch an allen anderen Körperstellen können sich einige wenige bis sehr viele Quaddeln bilden.
Die Größe der Quaddeln ist sehr unterschiedlich: Die Bandbreite erstreckt sich von wenigen Millimetern bis hin zu großflächig betroffenen Hautarealen.
Auch gerötete Hautstellen und dünne Krusten (von eingetrocknetem Sekret) sind möglich.
Juckreiz kann, muss jedoch nicht vorhanden sein.
Chronische Fälle von Nesselfieber sind im Vergleich zu akuten relativ selten.

Wird der Auslöser eliminiert, so bildet sich das Nesselfieber meist innerhalb einiger Stunden von selbst zurück, manchmal dauert es jedoch auch mehrere Tage, bis keine Quaddeln oder Rötungen mehr zu sehen sind.

Ursachen
Ein Nesselfieber kann die verschiedensten Ursachen haben. Erwähnenswert ist auch, dass nicht jeder Hund auf jeden potentiellen Reiz gleich stark reagiert; während beispielsweise ein Flohstich bei einem Tier nahezu unsichtbar bleibt, entwickelt ein anderes darauf eine mitunter heftige allergische Reaktion.
Als Auslöser eines Nesselfiebers kommen unter anderem in Betracht:

-Ektoparasiten wie Flöhe, Zecken, Milben, Haarlinge oder auch der Stich einer Stechmücke
-Bakterien (z. B. Staphylokokken)
-Inhalationsallergene (z. B. Pilzsporen, Gräserpollen)
Futtermittelallergene
-Bestimmte Medikamente und Impfstoffe
-Bluttransfusionen
-Hormone, z. B. die Östrushormone bei der zyklischen Hündin
-Hitze, UV-Strahlung
-Kälteeinwirkung
-Starker mechanischer Druck auf einen Hautbezirk
-Psychischer Stress.

Diagnostik
Neben der Adspektion, also der genauen Betrachtung der äußerlich sichtbaren Symptome, kann der Tierarzt beispielsweise über einen sogenannten Intrakutantest mögliche Allergene ausfindig machen, die für das Nesselfieber verantwortlich sein können. Auch eine Blutuntersuchung auf verschiedene potentielle Allergene ist möglich, führt jedoch nicht immer zu zufriedenstellenden Ergebnissen.

Bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie wird in der Regel eine Ausschlussdiät durchgeführt. Dabei erhält der Hund für einen Zeitraum von 6-8 Wochen neben einem Mineralfutter nur noch eine bestimmte Proteinquelle und eine Kohlenhydratquelle. Beide darf er zuvor noch nie gefressen haben. Bessert sich die Urtikaria, so wird in der Folge versucht, schrittweise und mit schriftlichem Protokoll einzelne Bestandteile der früheren Nahrung wieder zu füttern. Bei dem Bestandteil, nach dessen Gabe die Nesselsucht wieder auftritt, kann man annähernd sicher sein, dass er für sie verantwortlich ist.

Ist das Nesselfieber mit Juckreiz verbunden, so kommt es oft vor, dass der Hund sich wund kratzt. Dies führt wiederum häufig zu entzündeten Hautstellen. Hier liefert ein Abstrich der betroffenen Stellen einen Hinweis auf das Keimspektrum. So erhält der Tierarzt wichtige Informationen für die weitere Behandlung.

Behandlungsmöglichkeiten
Wichtig ist die Bekämpfung der Ursache, also des auslösenden Faktors des Nesselfiebers, denn nur hierdurch ist eine dauerhafte und sinnvolle Therapie möglich. Diese Suche kann sich mitunter recht schwierig gestalten, es sollte aber dennoch alles unternommen werden, um dem Hund ursächlich helfen zu können.
Parallel hierzu können je nach Ausmaß der Erkrankung weitere Maßnahmen notwendig werden. Dazu gehören unter anderem:

-Die Gabe eines Medikamentes, welches die allergische Reaktion eindämmt
-Gegebenenfalls das Auftragen einer desinfizierenden sowie pflegenden Salbe auf die betroffenen Hautstellen.

In bestimmten Fällen kann auch versucht werden, über eine schrittweise Desensibilisierung ein allergisch bedingtes Nesselfieber zu behandeln.

Prognose
Ein akutes Nesselfieber ist in der Regel gut in den Griff zu bekommen. Wird der Auslöser gefunden und zukünftig gemieden, ist lediglich die Linderung der Symptome des akuten Nesselfiebers angezeigt.
Kann dagegen keine Ursache ausfindig gemacht werden, muss mit einem Wiederauftreten des Nesselfiebers gerechnet werden.
Chronische Urtikaria kann unter Umständen eine Dauerbehandlung notwendig machen.
Schlimmstenfalls kann sich ein auf einer allergischen Reaktion beruhendes Nesselfieber bis hin zu einem Anschwellen des Kehlkopfbereiches mit Atemnot und Erstickungsanfällen ausweiten (sog. Angioödem; auch angeschwollene Gliedmaßen sind dabei möglich).

Prophylaxe
Ist bereits bekannt, welcher auslösende Faktor für das Nesselfieber eines Hundes verantwortlich war, besteht die Prophylaxe in einem zukünftigen Meiden dieses Faktors.

Viele Hunde reagieren allergisch auf bestimmte Komponenten des Flohspeichels, daher macht eine Flohprophylaxe nicht nur in diesem Zusammenhang Sinn.

Besonders im Spätsommer und im frühen Herbst finden sich nach Spaziergängen an den Beinen und am Bauch des Hundes Herbstgrasmilben (kleine, orangerote Pünktchen). Ein Abreiben des Hundes mit einem feuchten Handtuch kann helfen, diese schnell wieder loszuwerden und einer möglichen Nesselsucht vorzubeugen.

Auf eine gute, hygienische Futterqualität zu achten ist ebenfalls wichtig; Farb- und Konservierungsstoffe im Futter sollten möglichst vermieden werden.
Im Hinblick auf eine eventuell später entstehende Futtermittelallergie sollte der Hund nicht mit allen erdenklichen Fleischsorten gefüttert werden – mindestens eine „Reservetierart“, die der Hund noch nie gefressen hat, sollte stets übrig bleiben. Gleiches gilt für die Kohlenhydrate.

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