Eingeweidebruch (Hernie)

Bauchnabelbruch bei Welpe
Bauchnabelbruch bei Welpe

Unter einer Hernie (auch: Eingeweidebruch) versteht man den Austritt von Baucheingeweiden durch eine Öffnung bzw. durch einen Riss in den Muskelschichten der Bauchwand oder im Zwerchfell des Hundes (sog. Bruchpforte).
Hernien können angeboren oder erworben sein.
Die Gefahr einer Hernie besteht darin, dass innere Organe in der Bruchpforte eingeklemmt und nicht mehr genügend durchblutet werden können.

Krankheitsbild
Durch die Bruchpforte tritt der sogenannte Bruchsack hindurch. Dabei handelt es sich um eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells (Peritoneum).
Im Bruchsack befindet sich häufig etwas Flüssigkeit. Bei entsprechender Größe der Bruchpforte können sich auch Fettgewebe sowie Abschnitte des großen Netzes und der inneren Organe, beispielsweise des Dünndarms, mit dem Bruchsack durch die Bruchpforte nach außen verlagern. Dies kann durch die Tätigkeit der Bauchpresse, z. B. bei starker Atmung oder beim Kotabsatz, geschehen.

Man unterscheidet zwischen inneren und äußeren Hernien.
Bei einer inneren Hernie befindet sich die Bruchpforte z. B. im Zwerchfell; der Bruchsack verlagert sich in diesem Fall in die Brusthöhle. Innere Hernien können von außen mit bloßem Auge nicht gesehen und in der Regel auch nicht ertastet werden.
Äußere Hernien dagegen sind meist bereits von außen gut zu erkennen: Befindet sich der Bruchspalt z. B. in der Bauchmuskulatur, so kann der weiche Bruchsack mit seinem Inhalt meist an der Hautoberfläche gesehen bzw. ertastet werden (man spricht dann bei der Vorwölbung der Haut auch von einem sogenannten äußeren Bruchsack). Teilweise kann der Bruchsack durch leichten Druck kurzzeitig in die Bauchhöhle zurückgeschoben werden.

Je nachdem, wo genau sich die Hernie befindet, wird sie unterschiedlich bezeichnet. Bei Hunden häufiger vorkommende Hernien sind u. a.:

  • Die Umbilikalhernie (Nabelbruch)
  • Die Inguinalhernie (Leistenbruch; Bruchpforte ist in diesem Fall der erweiterte Leistenkanal)
  • Die Perinealhernie (Dammbruch; meist bei älteren, unkastrierten Rüden)
  • Die Skrotalhernie (Hodenbruch)
  • Die Zwerchfellhernie (besonders häufig durch Unfälle erworben, seltener auch angeboren)
  • Die Hiatushernie (Sonderform der Zwerchfellhernie: Bruch an der Durchtrittsstelle der Speiseröhre durch das Zwerchfell mit der Gefahr der Vorverlagerung des Magens in die Brusthöhle; meist angeboren)

Erworbene Hernien können durch Unfälle, aber auch durch Schwachstellen in der Muskulatur entstehen.

Je nach Form und Umfang der Hernie zeigt der Hund keine bis stark ausgeprägte Symptome.
Bei Welpen mit kleineren Nabelbrüchen ist in der Regel lediglich der Bruchsack zu ertasten.
Eine Perinealhernie (Dammbruch) äußert sich zusätzlich häufig durch Probleme beim Kotabsatz, während bei inneren Hernien z. B. Atembeschwerden vorkommen können.
Gefährlich wird es immer, wenn sich im Bruchsack Organabschnitte befinden, die eingeklemmt und/oder gedreht werden.
Abgeklemmte Organabschnitte, z. B. Darmschlingen, werden nicht mehr richtig durchblutet; sie können anschwellen, was ein Zurückverlagern unmöglich macht, sich entzünden und schlimmstenfalls absterben. Dieser Zustand ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort operiert werden muss.
Der Hund hat dann meist sehr starke Schmerzen und muss so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht werden.
Die betreffende Hautstelle kann gerötet sein. Auch Erbrechen und/oder eine Schocksymptomatik kommen in diesem Zusammenhang häufig vor.
Bei inneren Hernien können die Hunde zusätzlich Atemnot und/oder Kreislaufprobleme zeigen.

Perinealhernie links bei einem Hund Bildquelle: By Uwe Gille (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Perinealhernie links bei einem Hund
Bildquelle: By Uwe Gille (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Diagnostik
Auch wenn der Hund keine akuten Symptome zeigt, ist es immer sinnvoll, verdächtige Stellen frühzeitig tierärztlich abklären zu lassen.
Neben dem Tastbefund kann der Tierarzt äußere Hernien mit einer Ultraschall- und/oder einer Röntgenuntersuchung genauer untersuchen.
Innere Hernien werden in der Regel durch eine Röntgenaufnahme (teilweise mit Kontrastmittel) sichtbar gemacht. In bestimmten Fällen sind hierbei auch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Endoskopie (Untersuchung mit dem Endoskop) möglich und sinnvoll.

Behandlungsmöglichkeiten
Die meisten Hernien, auch und gerade kleine, müssen durch eine Operation behandelt werden.
Dabei werden die Baucheingeweide wieder an ihren Ursprungsort zurückverlagert, der Bruchsack gekürzt und die Bruchpforte verschlossen.
Während bei der sogenannten Inkarzeration (Einklemmung des Bruchsackinhaltes) Eile geboten ist, können viele Hernien planbar operiert werden.

Bei Rüden mit Perinealhernie (Dammbruch) erfolgt zusätzlich die Kastration, da sie dazu beiträgt, ein erneutes Auftreten der Problematik zu verhindern. Durch die Kastration verkleinert sich zudem die Prostata des Rüden, was den Kotabsatz weiter erleichtert.

Bei Welpen kann sich ein kleinerer Nabelbruch häufig noch spontan verkleinern oder sogar ganz zurückbilden. Geschieht dies nicht, so kann er in manchen Fällen auch belassen werden. Eine gründliche tierärztliche Untersuchung des Welpen ist jedoch in jedem Falle wichtig, da ab einer bestimmten Größe des Nabelbruchs die Gefahr der Einklemmung von Darmschlingen besteht – dann wird eine Operation notwendig.

Prognose
Die Prognose ist abhängig von Art und Ausmaß der Hernie.
Bis auf den Nabelbruch beim Welpen bilden sich Hernien nicht von selbst zurück; in der Regel wird die Bruchpforte im Laufe der Zeit eher größer.
Wurden noch keine Organabschnitte eingeklemmt bzw. haben diese noch keinen Schaden genommen, so ist die Prognose in der Regel gut.
Hat der Hund beispielsweise durch einen Verkehrsunfall eine Zwerchfellhernie erlitten, so hängt der Erfolg der Operation natürlich auch vom Ausmaß der anderen Verletzungen ab.
Bei der Hiatushernie besteht die Gefahr einer sogenannten Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Futterbestandteile, die hochgewürgt und versehentlich eingeatmet wurden).

Prophylaxe
Bei manchen Hernien konnte eine erbliche Komponente nachgewiesen werden, so z. B. bei der Umbilikal- und bei der Inguinalhernie. Letztere kommt bei Rassen wie West Highland White Terrier, Pekingese sowie Basset Hound häufiger vor.
Vererbt ein Tier die Problematik stetig und/oder in größerem Umfang, so sollte es von der Zucht ausgeschlossen werden.

Übergewicht ist ein sogenannter prädisponierender Faktor, steigert also die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Hernie. Wird es vermieden, so kann das Risiko für die Ausbildung einer Hernie zumindest ein wenig gesenkt werden.

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