Lug und Trug bei Hundefutter – 14 von 30 Futtersorten fallen bei Stiftung Warentest mit „Mangelhaft“ durch

Viele Hundebesitzer sind sich schon lange nicht mehr sicher, welches Futter tatsächlich im Napf des Lieblings landen sollte. Nicht nur, dass Unsicherheiten hinsichtlich der richtigen Nährstoffzusammensetzung herrschen, macht ein Test der Stiftung Warentest noch weniger Hoffnung auf Klarheit. Untersucht wurden insgesamt 30 Nassfuttersorten. Das teilweise schlechte Ergebnis lässt Hundehalter nun wieder aufhorchen und über alternative Ernährungsweisen für den Hund nachdenken.

Was drauf steht, ist nicht immer drin

Laut Stiftung Warentest war häufig eine mangelhafte oder gar irreführende Deklaration der Inhaltsstoffe ein Problem. Genaueres zeigte die Analyse der Futterproben im Labor, denn in einem Futter mit einhundert Prozent Rind steckten plötzlich auch Geflügel und Schwein. Wer bislang auf ein hochwertiges Rentierfutter setzte, wird ebenfalls herb enttäuscht. So war in besagtem Futter nicht einmal ein kleiner Teil Rentier enthalten. Grundsätzlich bedeutet dies jedoch nicht, dass es gleich zu Problemen kommen kann, denn Hunde brauchen nicht zwangsweise tierisches Muskelfleisch, da es vergleichsweise wenig Nährstoffe enthält. Futtersorten hingegen, die mit Innereien angereichert sind, sorgen für einen erhöhten Nährstoffgehalt, weswegen Hundehalter eher hierauf achten sollten. Auch wenn die mangelhafte Deklaration also keine direkte Gefahr für den Hund darstellt, so ist sie dennoch ein Zeichen für geringe Vertrauenswürdigkeit.

Getestet wurden folgende Sorten:

  • Aldi (Nord)/Baldo Wellness Delikate Fleischstückchen mit Aloe VeraHundefuttertest
  • Aldi Süd/Romeo Select feine Pastete mit Rind & Landgemüse
  • Animonda Gran Carno Adult Rind pur
  • Aus der Heimat Hundenahrung mit Rind und Einkorn
  • Bozita Happen in Gelee mit Rentier
  • Cesar Klassiker mit zartem Kalb und Geflügel
  • Christopherus Erwachsener Hund Rind + Herz
  • Das Futterhaus/Activa Gold Zartes Kalb mit Möhrchen
  • dm/Dein Bestes mit 5 Sorten Geflügel, klassisch
  • Edeka/Herzhafte Bissen Feine Pastete mit Geflügel
  • Fressnapf/Bioplan Paté mit Rind, Kartoffeln & Spinat, Bio
  • Fressnapf/Premiere Best Meat Truthahn mit Gemüse Adult
  • Fressnapf/Real Nature Adult Dog Rind mit Kartoffeln und Schwarzkümmelöl
  • Happy Dog 100% Rind
  • Herrmann’s Bio Rind mit Süßkartoffeln, Bio
  • Hill’s ideal balance mit zartem Huhn und Gemüse
  • Kaufland/K-Classic Feine Fleischmahlzeit mit Ente & Kalb, Adult
  • Lidl/Orlando Pastete mit Rind & Leber
  • Naturplus Activa Adult 70% Rind
  • Netto Marken-Discount/Pablo Pastete mit Wild
  • O’Canis Pferdefleisch mit Gemüse & Leinsamen
  • Pedigree Pastete mit 5 Sorten Fleisch
  • Penny/Spurty Premium Dinner mit Rind
  • Pure Instinct Strong Mustang
  • Rewe/ja! Pastete mit 5 Sorten Fleisch
  • Rinti Kennerfleisch mit Geflügelherzen
  • Rossmann/Winston Schlemmertopf mit Wild
  • Terra Canis Huhn mit Tomaten, Amaranth & Basilikum
  • Feuchtfutter für Hunde 03/2015 – Vegetarisches Allein­futter
  • Biopur Alleinfuttermittel mit Dinkel & Zucchini, Bio
  • Yarrah Adult Dog food Vegetarisch with rosehips, Bio

Problembereich Nährstoffe

Selbstverständlich braucht der Hundekörper einen artgerechten Nährstoffmix, um dauerhaft gesund und vital zu bleiben. Nur mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist dies möglich. Hier jedoch entdeckte Stiftung Warentest eine weitere Schwachstelle vieler Nassfuttersorten, denn gerade an Nährstoffen mangelte es vielen Proben. Dies war der Grund, gleich ganze 14 der getesteten Futtersorten mit der Note „mangelhaft“ aus dem Test zu entlassen. Ein Lichtblick waren jedoch acht Nassfutter-Proben, bei denen die Nährstoffe optimal auf das Bedürfnis eines Hundes abgestimmt waren. Dass hierunter nicht nur teure Markenprodukte, sondern auch günstigere Alternativen von Discountern zu finden waren, zeigt, dass der Preis kein Qualitätsmerkmal ist. Laut Stiftung Warentest ist es also durchaus möglich, einen Hund mit einem Nassfutter für unter einem Euro täglich vollwertig zu ernähren.

Schadstoffe ebenfalls vertreten

Hundebesitzer, die selbst auf eine hochwertige Ernährung setzen und auch Schadstoffe von ihrem Speiseplan so gut wie möglich zu verbannen versuchen, wünschen sich dies selbstverständlich auch für das eigene Tier. Die „sehr gut“ getesteten Futtersorten gaben hier glücklicherweise keinen Anlass zur Beschwerde. Problematisch waren jedoch Sorten mit Pferdefleisch, in denen Kadmium gefunden wurde. Wer sicher gehen möchte, dass im gekauften Hundefutter keine Schadstoffe enthalten sind, wird über das Voranschreiten der Bio-Futtersorten am Markt sicherlich erfreut sein. Mit biologisch wertvoll angebauten Inhaltsstoffen werben derzeit immer mehr Hersteller. Vorsicht ist hier jedoch trotzdem geboten, denn auch manche Bio-Futtersorten schafften den Test nicht mit Bravour.

Doch besser Barfen???
Doch besser Barfen???

Welches Futter soll es sein?

Mit Sicherheit haben die Ergebnisse dieses Hundefutter-Tests eine beunruhigende Wirkung auf viele Hundehalter. Schließlich soll dem eigenen Tier durch das Futter nicht etwa Schaden zugefügt werden. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte daher einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe eines Futters achten. Vitamine und Mineralstoffe sollten genauso vertreten sein wie hochwertiges Eiweiß und gute Kohlenhydrate. Ist das Vertrauen in die Hundefutterindustrie doch stärker geschädigt, als gedacht, hilft nur noch eine Umstellung auf das Barfen, denn hier haben Halter selbst die Zusammensetzung und den Nährstoff-Mix der Futtersorten in der Hand.

 

Hier mal 2 Hundefuttersorten mit Testurteil sehr gut: (Reihenfolge willkürlich – Klick auf Bild oder Namen führt zum Produkt)

Aber auch einige Discounterfuttersorten schnitten erstaunlich gut ab – dazu könnt Ihr den kompletten Bericht von der Stiftung Warentest ansehen. Findet ihr hier

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4 Kommentare

  1. Avatar

    Teilweise ein guter Beitrag, jedoch ist die Aussage „denn Hunde brauchen nicht zwangsweise tierisches Muskelfleisch“ nicht haltbar. Eine gesunde und artgerechte Hundenahrung besteht aus ca. 2/3 Muskelfleisch und 1/3 Innereien, so wie es in der Natur (Beutetier) auch der Fall ist.

    Die beiden hier empfohlenen Produkte sind ebenfalls mehr als fragwürdig was die Qualität betrifft.

    „Cesar Klassiker mit zartem Kalb und Geflügel“:
    Die Deklaration „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (60%, u.a. 4% Kalb, 4 % Geflügel), Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse“ deutet bereits auf eine minderwertige Ware hin. Es ist nicht erkennbar, wovon wirklich wie viel enthalten ist und welche weiteren Fleischsorten verwendet werden. Es ist daher davon auszugehen, dass hier auch Schweinefleisch enthalten ist. Die Empfehlung der Tagesration (375 g für einen 5 kg-Hund) weist bereits eindeutig auf minderwertige Nährstoffe hin.

    „Hill’s ideal balance mit zartem Huhn und Gemüse“:
    Dieses Produkt steht in keinem Fall besser dar als das andere Produkt. Hills empfiehlt sogar 484 g für einen 5 kg-Hund, gibt jedoch wenigstens zu, dass Schweinefleisch verwendet wird: „Huhn (17 %), Schwein, Karotten, Reisstärke, Kartoffelstärke, Dextrose, tierisches Proteinpulver, Erbsenfaser, brauner Reis, Mineralstoffe, Erbsenproteinmehl, Erbsen, Proteinhydrolysat, Leinsamen, Hühnerbrühepulver, Kartoffeln, Spurenelemente, Spinatflocken, Vitamine und Beta-Carotin. Gefärbt mit natürlichem Karamell. Gemüse gesamt: (4 %).“ Zucker („Dextrose“, „Karamell“) hat in einer gesunden Hundenahrung genau so wenig zu suchen wie Farbstoffe („Gefärbt mit …“).

    Fazit:
    Tierhalter über Tiernahrung aufzuklären ist sehr wichtig, sollte dann aber auch ehrlich und nicht manipulativ erfolgen.

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      Danke für deinen Beitrag! Ich sehe die Deklarationen auch immer sehr kritisch. Viel zu viele Inhaltsstoffe, die in einer naturbelassen und artgerechten Hundenahrung nichts zu suchen haben! Auch zum Thema Muskelfleisch, das du ja angesprochen hast: Ja, genau hier sind hochwertige und leicht verdauliche Proteine enthalten, die gerade auch erkrankten Tieren die Verdauung und Verwertung erleichtern. Viele haben leider keine Ahnung. Neben dem Input muss sich auch der Output angeschaut werden, um zu bewerten, welche der Nährstoffe IM Hund überhaupt ankommen. Beispiel Trockenfutter, für mich eine Zumutung, das seinem Tier abzutun. Es wird gern getestet, was alles tolles im TroFu drinsteckt, doch was der Hund durch die Trocknung und das Pressverfahren davon dann überhaupt noch verwerten kann, das schaut sich in der Regel leider kein Test an 🙁

  2. Avatar
    Gustavo Woltmann

    Es ist eigentlich ein Skandal, dass so viele Sorten Hundefutter mit „mangelhaft“ bewertet werden. Stefan, mein Vor-Kommentator, scheint sich ja gut auszukennen. Welche Produkte können Sie denn empfehlen? Gibt es eigentlich noch Hundefutter, das man unbedenklich kaufen kann?

  3. Avatar

    Allein schon die Tatsache, dass die Futtermittelanbieter laut eigenen Angaben selbst nach vielen Jahrzehnten Forschungsarbeit ihre eignen Fertigprodukte immer noch ständig verbessern, deutet darauf hin, dass solche Produkte einer steten Verbesserung bedürfen bzw. die Anforderungen für das Kriterium „gesundes Alleinfutter“ grundsätzlich nicht in vollem Umfang erfüllen können, sondern bestenfalls nur dem jeweiligen aktuellen Stand der anerkannten Wissenschaft entsprechen.

    Die klassische Ernährungsberatung beruft sich auf Inhaltsstoffe, Tagesbedarf und Kalorien. Doch bis heute kennt man nicht alle Bestandteile, die ein Lebewesen zum Leben braucht. Man kennt zwar alle Substanzen, die ein Tier zum schlichten Überleben benötigt, nicht aber alle Bestandteile und schon gar nicht ihre Menge zur Sicherstellung stoffwechselbedingter Lebensqualität (Gesundheit bzw. Schutz vor Krankheit). Deshalb musste bzw. muss industrielles Hundefutter seit seiner Erfindung ständig an die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft angepasst werden. Dies bedeutet: Dosenfutter von vor 20 Jahren genügt nicht mehr den heutigen Ansprüchen, und heutiges Dosenfutter wird wohl auch nicht den wissenschaftlichen Anforderungen im Jahr 2038 genügen. Dies gilt sicher ebenso für die derzeit von der Stiftung Warentest für „sehr gut“ befundenen Futtersorten.

    Auch das beste Dosenfutter ist kein Vergleich zu abwechslungsreicher frischer Nahrung. Jedem Mitmenschen würde man den Vogel zeigen, wollte man ihm erklären, dass er sich besser aus Dose und Tüte ernährt als mit frischen Lebensmitteln. Doch wie bekommt der Hund alle benötigten Nährstoffe? Abwechslungsreich muss es vor allem sein, und wer dann noch seinen Hund gut beobachtet, ist sicher auf dem richtigen Weg. Was nicht bedeutet, dass man Erbsen zählen muss. So, wie ich auch mal zwischendurch zu einer Dosensuppe greife, so fällt auch mein Hund nicht gleich um, wenn er zwischendurch mal Futter aus der Dose bekommt.

    Das heutzutage immer noch weit verbreitete Hörigkeit gegenüber den Beteuerungen der Tierfutterindustrie erinnert mich an frühere Zeiten, als noch versucht wurde, auch Müttern einzureden, dass sie besser nicht stillen sondern gleich mit Fertigmilch aus dem sterilisierten Sauger anfangen und danach bloß nicht selbst kochen, sondern Gläschen verfüttern sollten, wenn sie ihr Kind sicher und ausgewogen ernähren wollten.

    Übrigens wird in deutschen Zoos in der Regel Frischfutter verfüttert.

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