Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Im Körper des Hundes hat die Schilddrüse eine wichtige Funktion. Sie produziert die Hormone Calcitonin (wichtig für die Regulation des Blutcalciumspiegels) sowie die sogenannten Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4).

T3 und T4 sind wichtig für den Kohlenhydrat-, Protein- und Fettstoffwechsel, für den Wärmehaushalt des Körpers und die Entwicklung des Ungeborenen (insbesondere des Skelett- und Nervensystems). Die Schilddrüsenhormone sind weiterhin in der Lage, bestimmte Organe (z. B. das Herz) in ihrer Funktion zu beeinflussen und in die Regulation anderer Hormone einzugreifen.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, der sogenannten Hypothyreose, kommt es zu einer mangelhaften Produktion der Schilddrüsenhormone. Die Zellen im Körper des Hundes werden dann nicht (mehr) genügend mit ihnen versorgt; in der Folge entsteht eine sogenannte multisystemische, sich also über verschiedene (Organ-)Systeme erstreckende, Stoffwechselstörung.

Der Stoffwechsel wird durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen herabgesetzt, das bedeutet, er verlangsamt sich.

 

Krankheitsbild

Der Dobermann gehört zu einer der Rassen, bei der die Schilddrüsenunterfunktion häufiger auftritt.
Der Dobermann gehört zu einer der Rassen, bei der die Schilddrüsenunterfunktion häufiger auftritt.

Eine Hypothyreose (Schildrüsenunterfunktion) kann auf verschiedenen Wegen entstehen:

  • Sie kann angeboren sein (sogenannte kongenitale Hypothyreose; diese Form kommt jedoch relativ selten vor und führt meist zum Tod des Welpen)
  • Sie kann durch einen Jodmangel hervorgerufen werden (sogenannte endemische Hypothyreose)
  • Durch einen Mangel des übergeordneten Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), welches von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) produziert wird, kann es in der Folge zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen kommen (man spricht dann von einer erworbenen sekundären Hypothyreose)
  • In den meisten Fällen (etwa 95%) handelt es sich um eine sogenannte erworbene primäre Hypothyreose. Diese kann durch eine Atrophie (Gewebeschwund) der Schilddrüse unbekannter Ursache hervorgerufen werden, aber auch Entzündungen aufgrund einer vermuteten Autoimmunerkrankung sowie Tumoren der Schilddrüse können hierbei eine Rolle spielen.

 

Von der Erkrankung können Hunde aller Altersstufen, Geschlechter und Rassen betroffen sein, wenngleich sie bei größeren Hunden häufiger auftritt. Bei einigen Hunderassen scheint die Hypothyreose öfter vorzukommen als bei anderen; Golden Retriever und Dobermannpinscher zählen beispielsweise zu den häufiger betroffenen Rassen.

 

Die Symptome treten in der Regel nicht plötzlich auf, sondern sie entwickeln sich langsam über einen Zeitraum von Monaten oder gar Jahren.

 

Zu den Anzeichen der Erkrankung zählen:

  • Verhaltensänderungen, bedingt durch den herabgesetzten Stoffwechsel (Trägheit, abgestumpftes Verhalten, Müdigkeit, erhöhtes Wärmebedürfnis)
  • Gewichtszunahme
  • Leistungsschwäche
  • Haut- und Haarveränderungen (haarlose Stellen im Fell, stumpfes, trockenes Haar, dunkle Hautstellen, fettige Haut, verdickte oder eitrig-entzündete Hautbereiche)
  • Chronische Ohrenentzündungen
  • Verlangsamter Herzschlag
  • Beeinträchtigung des Nerven- und Muskelsystems: Schwäche, Störungen der Bewegungskoordination, steifer Gang, Zehenschleifen, Krämpfe, Kopfschiefhaltung (durch Ausfall der Kopfnerven)
  • Ausbleibende Läufigkeit bei unkastrierten Hündinnen
  • Hodenatrophie (Gewebeschwund) bei unkastrierten Rüden.

Diagnostik

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann der Tierarzt häufig schon durch Betrachten des Hundes eine Verdachtsdiagnose erstellen. Diese wird dann durch weiterführende Untersuchungen geprüft und von den sogenannten Differentialdiagnosen (Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik) abgegrenzt.

Die Diagnose ist nicht immer einfach, da auch die Gabe bestimmter Medikamente oder das Vorliegen anderer Erkrankungen zu einem Abfall der Schilddrüsenhormone im Blut führen können, ohne dass eine Hypothyreose vorliegt (sogenanntes Euthyroid-Sick-Syndrom).

Notwendig ist in jedem Fall eine spezielle Blutuntersuchung, bei der unter anderem der Basalspiegel des Hormons T4 sowie der Spiegel des endogenen TSH bestimmt wird. Betroffene Tiere haben zudem häufig erhöhte Cholesterinwerte und/oder Veränderungen bestimmter anderer Blutparameter.

Auch ein sogenannter Stimulationstest ist möglich; dabei wird dem Hund nach einer T4-Basalwertbestimmung das Hormon TSH verabreicht, welches die T4-Ausschüttung stimuliert. Nach einem vorgegebenen Zeitraum von einigen Stunden erfolgt eine erneute Messung des T4.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Die Hypothyreose ist behandelbar, der Hund muss dazu allerdings lebenslang ein Medikament einnehmen.

Nach der Diagnosestellung erhält der betroffene Hund ein Medikament, in dem das Hormon T4 in synthetischer Form enthalten ist. Das Medikament muss in der Regel zweimal täglich eingenommen werden, damit der Hormonspiegel im Blut möglichst gleichmäßig bleibt.

Innerhalb der ersten vier Wochen nach Behandlungsbeginn tritt in den meisten Fällen bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden auf, nach einigen Monaten ist der Hund meist beschwerdefrei.

Regelmäßige Blutuntersuchungen sind wichtig, um zu überprüfen, ob die derzeitige Dosis des Medikamentes nach wie vor korrekt ist oder ob sie gegebenenfalls angepasst werden muss.

 

Prognose

Eine korrekt diagnostizierte und behandelte Hypothyreose hat eine gute Prognose. Die Tiere haben in der Regel wieder eine deutlich verbesserte Lebensqualität. Wichtig ist die korrekte, das bedeutet regelmäßige und mengenmäßig richtige Eingabe des Medikamentes.

 

Prophylaxe

Bei selbstgekochten Rationen muss auf eine passende Jodzufuhr geachtet werden. Kommerziell erhältliche Alleinfuttermittel für Hunde enthalten in der Regel ausreichende Mengen.

Alle Hunde, jedoch insbesondere größere Tiere und solche häufiger betroffener Rassen, sollten stets gut beobachtet und bei eventuellen Auffälligkeiten einem Tierarzt vorgestellt werden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ein- bis zweimal im Jahr sind empfehlenswert; diese können zum Beispiel im Rahmen eines Impftermins oder bei der Abgabe von Antiparasitika durchgeführt werden.

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