Parvovirose

Die Parvovirose ist eine hochinfektiöse Viruserkrankung. Die Krankheit ist auch als infektiöse Gastroenteritis des Hundes, Katzenseuche des Hundes, Hundepanleukopenie oder Hundeseuche bekannt.
Unter den Infektionskrankheiten des Hundes ist sie die häufigste Todesursache. Erreger ist das canine Parvovirus (CPV), welches mit dem Parvovirus der Katze (felines Parvovirus, FPV) verwandt ist.

Infektion

Parvovirose bei einem drei Monate alten Hund Bildquelle:By Uwe Gille (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Parvovirose bei einem drei Monate alten Hund
Bildquelle:By Uwe Gille (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Das canine Parvovirus wird vor allem über den Kot ausgeschieden. In einem Gramm Kot sind dabei so viele infektiöse Viren enthalten, dass damit eine Million Hunde infiziert werden könnten.
Über die Aufnahme der Viren, d. h. meist über das Ablecken bzw. Abschlucken kleinster Kotpartikel, infiziert sich der nächste Hund. Die Ansteckung erfolgt dabei meist über kontaminierte Gegenstände (z. B. Futternäpfe, Decken, Kleidung oder auch die Hände der Bezugsperson). Eine Übertragung im Mutterleib von der Hündin auf die Welpen ist ebenso möglich wie eine direkte Übertragung von Hund zu Hund.
Die Inkubationszeit beträgt etwa 4-7 Tage. Ab dem 4. Tag nach der Infektion besiedeln die Viren vor allem Darmepithel, Lymphgewebe und Knochenmark des Hundes.
Drei Tage nach der Infektion beginnt in der Regel die Ausscheidung des Virus über den Kot. Diese Phase dauert etwa 14 Tage.

Eine Infektion, die ohne äußere Krankheitsanzeichen abläuft, ist ebenfalls möglich. Die betroffenen Tiere scheiden jedoch Viren aus und können so weitere Hunde infizieren.

Auch Katzen können sich mit dem caninen Parvovirus (CPV) infizieren (während das feline Parvovirus (FPV) für Hunde ungefährlich ist).
Durch diesen Umstand kann sich ein Hund auch über den Kot einer mit CPV infizierten Katze anstecken.

Importierte, nicht oder unvollständig geimpfte Junghunde aus dem Ausland sind häufig infiziert.

Das Virus ist in der Lage, in der Außenwelt unter günstigen Bedingungen bis zu einem Jahr infektiös zu bleiben. Dabei toleriert es einen pH-Wert zwischen 3 und 11. Erschwerend hinzu kommt, dass es gegen die meisten Desinfektionsmittel resistent ist.

Krankheitsbild
Charakteristische Symptome der Parvovirose sind:

-Starker Durchfall, häufig wässrig und/oder blutig
-Erbrechen
-Fieber oder Untertemperatur
-Appetitlosigkeit
-Müdigkeit, Apathie
-Schmerzen im Bauchbereich
-Austrocknung (durch anhaltende Durchfälle)
-Bei Welpen teils Schädigung des Herzmuskels.

Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel eine bis drei Wochen. Überlebende Hunde sind nach der Phase der Virusausscheidung nicht mehr infektiös (es gibt also keine Dauerausscheider) und vermutlich lebenslang gegen das Virus immun.

Diagnostik
Besteht auch nur der geringste Verdacht auf eine Parvovirose, so muss der Hund unverzüglich dem Tierarzt vorgestellt werden.
Eine Verdachtsdiagnose kann dieser bereits über den Vorbericht (wichtig sind hier insbesondere Herkunft und Impfstatus des Hundes sowie gegebenenfalls des Muttertieres), eine Allgemeinuntersuchung unter Berücksichtigung der gezeigten Symptome sowie eine Blutuntersuchung erstellen.
Eine Antikörperbestimmung ist wenig sinnvoll, da auch geimpfte oder früher einmal erkrankte Hunde sowie infizierte Tiere ohne erkennbare Krankheitsanzeichen Antikörper besitzen.
Um das Virus im Kot direkt nachzuweisen, sind in vielen Tierarztpraxen spezielle Schnelltests vorhanden. Mit diesen ist die Diagnostik bereits innerhalb weniger Minuten möglich.

Behandlungsmöglichkeiten
Je früher die Diagnose erstellt und die Behandlung eingeleitet wird, umso höhere Überlebenschancen hat das Tier.
Eine stationäre Aufnahme wird dabei meist notwendig, denn die Behandlung ist sehr zeit- und materialintensiv und die betroffenen Hunde müssen gut beobachtet und regelmäßig versorgt werden. Peinliche Hygiene und das Verhindern von Kontakt zu anderen Patienten sind dabei dringend notwendig. Unter Umständen kann eine Tierklinik hierfür besser eingerichtet sein als eine kleinere Praxis. Zur Behandlung gehören unter anderem:

-Infusionen, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten entgegenzuwirken und den Kreislauf des Hundes zu stabilisieren
-Medikamente gegen das Erbrechen (sogenannte Antiemetika)
-Die Gabe spezieller Gammaglobuline (Antikörper) oder Serum eines geimpften Hundes, welches ebenfalls Antikörper gegen das Virus enthält
-Die Gabe von Interferonen (sog. Immunstimulantien; diese haben eine positive Wirkung auf die körpereigene Immunabwehr des Hundes)
-Gegebenenfalls Bluttransfusionen
-Gegebenenfalls eine Antibiotikagabe, um bakteriellen Sekundärinfektionen Einhalt zu gebieten
-Gegebenenfalls die Behandlung von Sekundärerkrankungen, z. B. einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
-Notfalls eine künstliche Ernährung des Hundes.

Prognose
Die Prognose ist abhängig vom Alter des Hundes, vom Krankheitsverlauf und vom Vorhandensein weiterer Erkrankungen. Ein starker Parasitenbefall kann den Krankheitsverlauf zusätzlich verkomplizieren.
Vor allem Jungtiere bis zu einem Alter von etwa 6 Monaten ohne ausreichenden Impfschutz erkranken häufig schwer und haben eine vorsichtige bis schlechte Prognose. Todesfälle innerhalb von drei Tagen nach Beginn der ersten Symptome sind dabei keine Seltenheit. Ohne Behandlung versterben etwa 50-80% der erkrankten Hunde; bei Tieren, die eine intensive Therapie bekommen, liegt die Sterblichkeit noch bei etwa 20%.
Gefürchtete Komplikationen sind unter anderem eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), eine Blutvergiftung (Sepsis) durch den Zusammenbruch der Blut-Darm-Schranke sowie die sogenannte Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC; gesteigerter Verbrauch von Blutgerinnungsfaktoren mit anschließendem Mangel an denselben).

Prophylaxe
Impfung gegen ParvoviroseEin Kontakt mit dem caninen Parvovirus kann niemals ausgeschlossen werden, da es prinzipiell überall in der Umwelt vorhanden sein kann.
Die einzige Möglichkeit der Prophylaxe ist die Impfung. Die Impfung gegen Parvovirose gehört beim Hund zur sogenannten Core-Vakzine, ist also eine sehr sinnvolle Impfung, die jeder Hund unbedingt erhalten sollte.
Die Grundimmunisierung erfolgt in der Regel mit 8,12 und 16 Wochen, im Folgejahr wird der Hund nochmals geimpft (mit etwa 15 Monaten). Danach ist bei den meisten Impfstoffherstellern eine Auffrischung alle 3 Jahre ausreichend.

Zuchthündinnen, die regelmäßig geimpft wurden, versorgen ihre Welpen über die Muttermilch mit Antikörpern.
Nach 6-12 Wochen entsteht mit dem (bevorstehenden) Absetzen bei den Welpen die sogenannte immunologische Lücke. In diesem Zeitfenster haben die jungen Hunde häufig noch einige wenige Antikörper der Mutter, so dass eine Impfung noch nicht greifen kann, da die (abgeschwächten Impf-) Erreger von den noch vorhandenen Antikörpern „entsorgt“ werden. Der Welpe kann so keine eigenen Antikörper gegen das Virus bilden.
Die wenigen noch vorhandenen Antikörper der Mutter genügen jedoch meist nicht, um den jungen Hund vor einer „richtigen“ Infektion (sog. Feldinfektion) zu schützen. Die Welpen sollten in diesem Zeitraum also besonders sorgsam überwacht und vor möglichen Infektionsquellen geschützt werden.
Über eine Blutuntersuchung kann der ideale Impfzeitpunkt ermittelt werden.

Geimpfte Hunde können sich zwar ebenfalls mit dem caninen Parvovirus infizieren und in diesem Fall auch Virus ausscheiden, sie erkranken aber in der Regel nicht klinisch.

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