Neosporose

Die Neosporose ist eine parasitäre Erkrankung, die durch den Einzeller Neospora caninum hervorgerufen wird.

Der Hund ist Endwirt des Parasiten. Neospora caninum schadet aber nicht nur ihm: Betroffene Hunde können über ihren Kot auch Rinder infizieren, die verschmutztes Gras oder Heu fressen und in der Folge einen Abort erleiden, also ihr ungeborenes Kalb verlieren können. In der Schweiz haben Untersuchungen ergeben, dass 21% aller zu früh und tot zur Welt gekommenen Kälber Neosporose gefahrmit dem Parasiten infiziert waren.

 

Krankheitsbild von Neosporose

Neospora caninum siedelt sich in der Muskulatur seines Wirtes an, doch auch Nervensystem und innere Organe können betroffen sein.

Die Infektion eines Hundes kann durch die Aufnahme von Zwischenstadien des Parasiten erfolgen, die in rohem Fleisch (z. B. vom Rind) vorhanden sein können.

Weitere Infektionsquellen sind alle Gegenstände, Nahrungsmittel oder Wasser, die mit Hundekot kontaminiert sind und die durch den Hund aufgenommen oder abgeleckt werden. Auch eine Übertragung von der Hündin auf ihre ungeborenen Welpen ist möglich.

Im infizierten Hund bilden sich Gewebszysten mit Zwischenstadien des Parasiten, und in seinem Darm vermehren sich die Einzeller. Sogenannte Oozysten („Eier“) werden schließlich mit dem Kot ausgeschieden.

In der Außenwelt benötigen die im Kot vorhandenen Oozysten 3 Tage, um infektiös zu werden (sog. Reifungsphase). Werden sie nun z. B. von einem weiteren Hund aufgenommen, so infiziert sich dieser und der Kreislauf beginnt von neuem.

Auch andere Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde können sich mit dem Parasiten infizieren – in ihnen entwickeln sich ebenfalls Gewebszysten mit entsprechender Schadwirkung (z. B. Aborte beim Rind, siehe oben), die Einzeller werden von ihnen jedoch nicht ausgeschieden. Über die in ihrem Fleisch vorhandenen Zysten können sich Hunde wiederum infizieren.

 

Symptomatik beim Hund

Nicht alle infizierten Hunde zeigen auch Krankheitssymptome. Besonders häufig treten Symptome bei jungen Hunden im Alter bis zu 6 Monaten auf, aber auch jagdlich geführte Hunde sind öfter von klinischen Krankheitserscheinungen betroffen. Die Symptomatik ist überwiegend neuromuskulär, d. h. es sind also vorwiegend das Nerven- und das Muskelsystem des Hundes betroffen.

Symptome einer Neosporose können sein: 

  • Steifheit der Hinterhandmuskulatur (ein- oder beidseitig), insbesondere des M. quadriceps femoris (großer Muskel am Oberschenkel), bedingt durch eine Entzündung der Muskulatur (Myositis)
  • Störungen der Bewegungskoordination
  • Lähmungserscheinungen
  • Muskelschwund / Abbau von Muskelmasse
  • Schluckbeschwerden
  • Entzündungen der Kaumuskulatur
  • Geschwürige Entzündungen der Haut
  • Herzmuskelentzündungen
  • Kopfschiefhaltung
  • Gehirnentzündungen, Anfälle
  • Leber- und Lungenbefall mit Entzündungsreaktionen und entsprechender Organschädigung.

Steifheit der Hinterhandmuskulatur:

Diagnostik

Infektionen ohne klinische Symptomatik, also ohne äußerlich erkennbare Beschwerden, bleiben bei Hunden häufig unentdeckt.

Besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer Neosporose, so sollte der Hund einem Tierarzt vorgestellt werden.

Zur Diagnostik und Abgrenzung zu weiteren Krankheiten mit ähnlicher Symptomatik nimmt dieser unter anderem eine Blutuntersuchung vor.

Vorhandene Antikörper gegen Neospora caninum können so nachgewiesen werden, und auch die Art und das Ausmaß der bereits vorliegenden Organschädigungen können abgeschätzt werden. Um den Parasiten direkt nachweisen zu können, wird eine spezielle Kotuntersuchung durchgeführt. Im Labor kann Neospora caninum so mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) nachgewiesen werden.

Auch eine Muskel- oder Organbiopsie kann als Untersuchungsmaterial verwendet werden. Dabei wird ein kleines Stück Gewebe entnommen und zur Untersuchung in ein Labor eingeschickt. Häufig wird hierzu der M. quadriceps femoris beprobt.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Behandlung der Neosporose ist grundsätzlich möglich. Diese führt jedoch nicht immer zu nachhaltigem Erfolg, da der Parasit meist nicht zu 100% eliminiert werden kann und somit Rückfälle möglich sind.

Der Tierarzt verordnet meist eine Kombination von zwei oder drei verschiedenen, gegen Einzeller wirksamen Antibiotika, um Neospora caninum zu bekämpfen. Je nach vorhandener Symptomatik wird zusätzlich eine entsprechende symptomatische Therapie durchgeführt, die auf die Linderung der jeweiligen Beschwerden abzielt.

 

Prognose

Die Prognose ist abhängig von Art und Umfang der betroffenen Gewebe bzw. Organe. Etwa 20% der Patienten zeigen nach der Behandlung keine Krankheitssymptome mehr, bei etwa 60% tritt zumindest eine Besserung der Beschwerden ein. Dennoch ist mit Rückfällen zu rechnen (siehe oben).

 

Prophylaxe

Eine Impfung ist bisher nicht möglich. Wegen der Übertragungsgefahr auf die Welpen sollten infizierte Hündinnen (d. h. auch klinisch gesunde Tiere mit vorhandenen Antikörpern gegen Neospora caninum) nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Um eine Übertragung auf Rinder und andere Zwischenwirte zu unterbinden, sollten Hunde keinen Zugang zu Futterflächen (Grünland, das als Weide dient oder das gemäht werden soll, Futtertische in Ställen sowie Futterlagerplätze) haben.

Die Einhaltung einer Grundhygiene bei der Fütterung und allgemein in der Hundehaltung trägt zur Prophylaxe der Neosporose bei (Regelmäßiges Säubern der Näpfe, Waschen von Decken etc.).

Die Fütterung von rohem Fleisch an Hunde ist entsprechend zu überdenken.

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