Ohrmilbenbefall

Ein Ohrmilbenbefall ist bei Hunden nichts Außergewöhnliches. In der Regel handelt es sich dabei um eine gut zu therapierende Erkrankung.
Problematisch kann es jedoch werden, wenn ein Befall mit Ohrmilben längere Zeit unentdeckt bleibt und sich daraus eine komplizierte, eitrige Entzündung des Gehörgangs entwickelt. Diese kann sich schlimmstenfalls bis in das Mittel- oder Innenohr hinein ausbreiten.
Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, sind eine aufmerksame Beobachtung des Hundes und ein rechtzeitiges Vorstellen beim Tierarzt wichtig.

Was sind Ohrmilben?

OhrmilbenbefallOhrmilben gehören – wie Flöhe oder auch Zecken – zu den Ektoparasiten des Hundes. Sie sind die Erreger der sogenannten Ohrräude.
Meist handelt es sich dabei um die Gattung Otodectes cynotis, kleine Spinnentiere, die im äußeren Ohr sowie im Gehörgang des Hundes ihr Unwesen treiben. Sie werden etwa 350-500 µm groß und ernähren sich von Sekreten und Epidermiszellen (Zellen der äußeren Hautschicht).
Ohrmilben sind grundsätzlich nicht wirtsspezifisch, das bedeutet, dass sie unterschiedliche Tierarten befallen können. Ihre bevorzugten Wirte sind Katzen und Füchse.
Sie sind hochkontagiös, werden also sehr schnell von Tier zu Tier übertragen. Die Übertragung geschieht meist durch direkten Kontakt. Da sich die Ohrmilben nicht nur im Ohr, sondern auch auf anderen Körperbereichen aufhalten, ist ein „Überspringen“ der kleinen Lästlinge von einem Tier zum anderen ohne Weiteres möglich. Eine Übertragung von der Katze auf den Hund ist relativ häufig; Jungtiere sind besonders oft betroffen.
Bei sehr engem Kontakt ist auch eine Übertragung auf den Menschen möglich, die sich meist durch entzündete Hautstellen bemerkbar macht. Bis in den Gehörgang gelangen die Milben beim Menschen aber eher selten.

Krankheitsbild
Schon wenige Ohrmilben können bei Hunden über eine lokale allergische Reaktion zu einer Ohrenentzündung (Otitis) führen. Anfangs bleibt diese Entzündung meist auf die äußeren Anteile des Ohres beschränkt, sie kann sich aber bis in die Bereiche des Mittel- und des Innenohres hinein ausbreiten.
Sehr häufig kommt eine Sekundärinfektion mit Bakterien und Hefen (Pilzen) hinzu; im schlimmsten Fall entwickelt sich eine eitrige Otitis mit Beteiligung der mittleren bzw. inneren Anteile des Ohres.

Zu Beginn des Ohrmilbenbefalls müssen noch keine äußerlichen Anzeichen erkennbar sein. Je nach Ausmaß der Erkrankung können in der Folgezeit diese Symptome auftreten:

    • Typischer dunkler „Kaffeesatz“ im Ohr (eher trocken und krümelig); dabei handelt es sich um den Kot der Ohrmilben sowie Ohrenschmalz (Cerumen), Sekrete und Blut.
      Die Ohrmilben selbst sind weiß und rundlich. Mit bloßem Auge sind sie beim Blick in die Ohrmuschel des Hundes in der Regel nicht zu entdecken. Sie sind lichtscheu und verstecken sich häufig in der dunklen Masse.
    • Teils heftiges Kratzen des Hundes am Ohr
    • Häufiges Kopfschütteln
    • Veränderungen der Haut im äußeren Ohr und im Gehörgang (gerötete Stellen, Krusten)
    • Auch haarlose Stellen im Gesicht, an Hals, Rumpf oder Schwanz sind möglich, da sich die Ohrmilben auch dort sowie an den Pfoten aufhalten können
    • Unangenehmer Geruch aus dem Ohr
    • Ausfluss aus dem Ohr
    • Schmerzäußerungen; der Hund möchte sich nicht mehr an den Ohren oder am Kopf anfassen lassen
    • Veränderte Kopf-/ Ohrhaltung.

Diagnostik
Zeigt der Hund die oben genannten Symptome, wird ein Besuch beim Tierarzt notwendig.
Dieser betrachtet den Gehörgang des Hundes mit einer speziellen Leuchte (Ohrenspiegel/Otoskop). Bei Anwendung der passenden Untersuchungstechnik kann er die Ohrmilben damit oft schon erkennen, da sie beim Einschalten der Leuchtquelle davonlaufen. Auch das Trommelfell kann mit diesem Instrument untersucht werden, um eine Beteiligung des Mittelohres an der Otitis zu überprüfen.
Üblicherweise wird im Anschluss ein Ohrtupfer entnommen, der häufig direkt in der Praxis unter dem Mikroskop untersucht werden kann. Eine Spezialfärbung ermöglicht dem Tierarzt den Nachweis der Ohrmilben sowie eventuell zusätzlich vorhandener Bakterien und Hefen.
Bei Verdacht auf eine eitrige Entzündung des Mittel- bzw. des Innenohres kann zusätzlich die Anfertigung eines Röntgenbildes notwendig werden.

Behandlungsmöglichkeiten
Wichtig bei der Therapie eines Ohrmilbenbefalls ist, dass alle anderen im Haushalt lebenden Hunde und Katzen mitbehandelt werden müssen (selbst wenn sie noch keine Symptome zeigen). Sie sollten im Idealfall ebenfalls dem Tierarzt vorgestellt werden.
OhrmilbenMit einem Ohrreiniger entfernt der Tierarzt die dunklen Ablagerungen und reinigt den äußeren Gehörgang.
Spezielle Ohrentropfen lindern die Entzündung und bekämpfen Bakterien und Pilze, die sich meist zusätzlich im Ohr angesiedelt haben.
Die Milben werden durch ein weiteres spezielles Medikament abgetötet, welches in der Regel in Spot-on-Form in den Genickbereich des Hundes aufgetropft wird.
Je nach vorliegendem Fall kann auch die Gabe eines Schmerzmittels sowie eines systemischen, also über den gesamten Körper wirksamen Entzündungshemmers (oft in einem Medikament kombiniert) und manchmal auch eines systemisch wirksamen Antibiotikums notwendig sein. Unter Umständen muss auch eine Ohrenspülung unter Narkose durchgeführt werden.
Die Ohrreinigung und die lokale Behandlung mit den Ohrentropfen sowie die eventuelle Schmerzmittel- und Antibiotikagabe müssen in den folgenden Tagen vom Hundebesitzer zu Hause fortgeführt werden; eine Nachuntersuchung nach ein paar Tagen klärt die weitere Behandlungsdauer.

Prognose
Wird ein Ohrmilbenbefall rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose in der Regel sehr gut.
Bei einer chronischen Entzündung mit Beteiligung des Mittel- bzw. Innenohres ist eine zügige und professionell durchgeführte Behandlung von enormer Wichtigkeit, um weitere bzw. bleibende gesundheitliche Schäden zu verhindern.

Prophylaxe
Vor allem langhaarige Hunderassen mit hängenden Ohren neigen durch das dort vorhandene feuchtwarme Klima zu Ohrenentzündungen (meist jedoch bedingt durch Bakterien und Pilze).
Im Hinblick auf das Vorhandensein von Ohrmilben ist – neben der Beobachtung des Verhaltens – eine regelmäßige Kontrolle der Ohren bei allen Hunden zu empfehlen. Dazu genügt ein gründlicher Blick in die Ohrmuschel (gegebenenfalls durch Umklappen der Ohren). Auch eine Überprüfung des Geruchs ist sinnvoll.
Zur Ohrenpflege gehört weiterhin das Auswischen der Ohrmuschel (nicht des Gehörgangs!) mit einem weichen Tuch oder einer Kompresse.
Bei sehr starker Verschmutzung durch Sekrete bzw. Ohrenschmalz kann hin und wieder (nicht zu häufig) ein Ohrreiniger verwendet werden.

!Wichtig: Niemals versuchen, den Gehörgang des Hundes mit einem Wattestäbchen oder ähnlichen Gegenständen zu reinigen! Durch die besondere Form des Gehörganges des Hundes besteht hier Verletzungsgefahr; nicht zuletzt für das Trommelfell. Zudem können Ansammlungen von Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang geschoben werden!
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