Warum es manchmal nicht so läuft, wie Hundehalter sich das wünscht…

Die einfache und doch teils überraschende Antwort:

Weil ich als Hundehalter schon im Welpenalter den Grundstein dafür gelegt habe.

Denken wir noch einmal zurück an den Tag, an den Klein-Fellnase bei uns einzog:

Voller Herzlichkeit empfingen wir den kleinen Wonneproppen bei den Züchtern, transportieren ihn wie ein rohes Ei mit stolz geschwellter Hunde-Mama/-Papa-Brust nach Hause und mit dem Einzug unseres neuen Familienmitglieds begann das ganze Drama: Das Legen des Grundsteins für eine leicht „missglückte“ Kommunikation.

Klein-Wonneproppen wurde auf Erkundungstour durch das Haus geschickt – schließlich muss der Welpe doch erst einmal alles entdecken.

Selbstredend, dass wir dabei vor Entzücken und Stolz beinahe geplatzt wären und mit größter Liebe und Fürsorge das lustige Treiben unseres neuen Familienmitgliedes beobachteten.

Klein Naseweis durfte alles inspizieren, überall seine vorwitzige Nase hineinstecken und selbstverständlich in seinem Tempo und auch in der Reihenfolge, wie es ihm sein Welpennavi vorgab.

Was hat unser Welpe dabei gelernt?

Ganz einfach: Wir stellen ihm das Territorium zur Verfügung, über das er jetzt bestimmen darf.

Warum das so ist?

Weil wir ihm genau das in Hundesprache vermittelt haben. Wir haben ihm – aus Hundesicht – kommuniziert:

„Triff DU hier die Entscheidungen. Ich treffe keine!“

Der nächste – natürlich genauso wie obiger Fehler völlig unbewusst geschehene Fehler:

Hocherfreut über unser wuscheliges neues Familienmitglied überschütten wir den Welpen mit Aufmerksamkeit. Ständig umsorgten wir ihn – ob er das in dem Augenblick wollte oder nicht, sei an dieser Stelle einmal vernachlässigt – mit Glückshormonen vollgepumpt und mit echten Mama-/Papa-Gefühlen überschütteten wir ihn mit aller Liebe und Fürsorge. Nein, das ist an sich natürlich nichts Schlechtes.

Unser wichtigstes Anliegen war zu diesem Zeitpunkt: Der kleine Racker soll uns lieben.

Betrachtet man dieses menschliche Verhalten einmal aus Sicht des Hundes, dann ist leicht zu verstehen, was wir ihm schon in den ersten Tagen bei uns kommuniziert haben:

„DU bis hier das allerwichtigste überhaupt!“ Gleichzusetzen ist dieser Satz mit der hündischen Aussage: „DU führst hier!“

Warum das so ist?

Ganz einfach: In einem Hunderudel erhält derjenige die meiste Aufmerksamkeit, der die Führung innehat.

Na, fällt etwas auf?

Tja, als Trost sei gesagt: Gerade diese Fehler passieren fast JEDEM Hundehalter.

In diesem Sinne: Es ist NIE zu spät, sich als Führer seines Hundes zu etablieren – man muss nur endlich damit beginnen.

 

Dies ist die Kolumne von Alexandra Sigmund-Wild, ausgebildete und geprüfte Hundetrainerin (Webseite: www.vontierzudir.de) bei Hund.info – Weitere Beiträge findest Du zukünftig hier: https://hund.info/kolumnen/sigmund-wild

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ein Kommentar

  1. Ich habe gerade in diesen Tagen darüber nachgedacht,wie es war, als ich meinen kleinen Luke zu mir nach Hause gebracht habe.Ich weiss noch JEDE Minute und dabei ist es schon 5 Jahre her. Nicht nur für uns Menschen ist es schwierig das Richtige zu tun. Ich glaube auch für die Hunde muss es ein „Kulturschock “ sein,wenn sie plötzlich aus dem Rudel rausgerissen und in eine fremde Umgebung kommen. Das ist als werden wir plötzlich auf einem neuen Planeten ausgesetzt,deren Sprache wir nicht sprechen -ein Alptraum. Vielleicht wäre es etwas hilfreich schon Tage vorher,ein Kleidungsstück von uns bei dem ausgesuchten Hündchen zu lassen?
    Wenn ich mir meinen Hund so ansehe, bin ich stolz auf ihn und wir beide haben vieles richtig gemacht:-)

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