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Was versteht man unter Qualzucht?

Hautentzündungen, Atemprobleme und Gelenkerkrankungen sind einige der häufigsten Symptome, welche durch Qualzuchten entstehen. Es sind vor allem die äußerlichen Rassemerkmale, welche so perfekt wie möglich in die Vorstellungen der Menschen passen sollen. Besonders in den letzten Jahren sind es auch Darstellungen auf Social-Media-Plattformen, welche die unnatürliche Zucht befeuern.

Das Tier soll gewissen menschlichen Schönheitsidealen entsprechen. Bei der einen Rasse ist es beispielsweise das kindchenhafte Gesicht, bei der anderen ist es eine bestimmte Körperform. Welche Krankheitsbilder durch Qualzuchten entstehen und welche Hunderassen häufig betroffen sind, erfährst du hier.

Wie definiert man Qualzucht bei Hunden überhaupt?

Unter Qualzucht versteht man, wenn ein bestimmtes Zuchtziel mit gesundheitlichen Leiden eines Tieres einhergeht. Die Hunde leben mit Schmerzen und/oder diversen gesundheitlichen Einschränkungen. Grund für die Verbreitung von Qualzuchten ist, dass sich der Mensch bestimmte Schönheitsideale wünscht. 

Viele Käufer dieser kranken Hunde sind sich kaum bewusst, dass sie die Qualzucht unterstützen. Unseriöse Züchter, ungenaue Gesetze, unzureichende Aufklärung und das Prinzip „Nachfrage bestimmt Angebot“ sind die größten Antreiber der Qualzuchten.

Diese Qualzuchtmerkmale kommen am häufigsten vor

Folgende Merkmale wirken sich negativ auf die Gesundheit des Hundes aus. Diese Qualzuchtmerkmale bedeuten zwar Leid für das Tier und trotzdem werden diese Folgen in Kauf genommen oder gar angestrebt. Die benannten Rassen sind vergleichsweise häufig von diesen Einschränkungen betroffen. Doch nicht jeder Hund dieser Rassen ist betroffen – es gibt seriöse Züchter mit gesunden Hunden.

  • Hüftgelenksdysplasie (HD)Der Gelenkkopf passt dabei nicht richtig in die Gelenkpfanne. Diese genetisch bedingte Fehlbildung der Hüfte hat Schmerzen und Lahmheiten des Hundes zur Folge. Entdeckt wurde die HD erstmals beim Deutschen Schäferhund. Allerdings gibt es weitaus mehr betroffene Hunderassen. Bei großen, schweren Hunderassen kommt HD häufiger vor, als bei kleinen Rassen.
 Hueftgelenksdysplasie-berner

Diese Hunderassen sind vergleichsweise oft betroffen: Schäferhund, Rottweiler, Berner Sennenhund, Golden Retriever, Labrador, Dalmatiner, Boxer

  • Übermäßige Hautfaltenbildung: Hierbei wird Wert auf extrem viele Hautfalten gelegt. Dabei können die Hautfalten über den gesamten Körper, oder nur an bestimmten Körperbereichen gewünscht sein. Oft ist es insbesondere der Kopf des Hundes, an welchem übermäßig viele Hautfalten vorkommen sollen. Durch die Faltenbildung kommt es meistens zu Hautentzündungen, Haarausfall, Pusteln und Juckreiz.
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Betroffen sind vor allem: Shar-Pei, Basset, Mastiff, Bloodhound, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Bordeaux-Dogge und Englische Bulldogge

  • Merle-Faktor: Bei dieser genetisch bedingten Farbabweichung des Fells, sind einige Bereiche des Haarkleides blaugrau oder rot aufgehellt. Diese Maserungen wirken auf der Grundfarbe des Fells wie zerrissen. Viele dieser „Merle-Hunde“ haben zudem ein oder zwei blaue Augen. Einige der Merle-Hunde leiden unter Hautproblemen und partiellem Haarausfall. Hunde mit Merle-Gen sind zudem gefährdet für Taubheit und Augenprobleme.
merle-faktor

Hunde dieser Rassen zählen oft zu den Merle-Hunden: Australian Sheperd, Border Collie, Collie, Dogge, Pitbull, Cardigan Welsh Corgi, Chihuahua

  • Teacup-Züchtungen: Für Teacup-Hunde werden die kleinsten und schwächsten Hunde eines Wurfes miteinander verpaart. Die winzig kleinen und leichten Hunde bringen oft eine Reihe von gesundheitlichen Problemen wie Herzprobleme oder sehr zerbrechliche Knochen mit sich. Normalerweise werden diese Tiere bei seriösen Züchtern von der Weiterzucht ausgeschlossen, damit diese Einschränkungen nicht weitervererbt werden. Ein häufiges Problem bei den Teacup-Hunden ist der sogenannte „Wasserkopf“. Dabei ist der Kopf des Hundes vergleichsweise groß, weil die Flüssigkeitsräume des Gehirns unnormal groß sind und auf die Schädelknochen drücken. Der „Wasserkopf“ ist leider nicht heilbar und führt vermehrt zum verfrühten Tod des Hundes.
Teacup-Hund

Teacup-Züchtungen kommen vor allem bei folgenden Hunderassen vor: Chihuahua, Yorkshire Terrier, Zwergpinscher, Toy Pudel

  • Brachyzephalie: Hierunter versteht man die gezielte Verkürzung des Schädels eines Hundes. Umgangssprachlich kennt man diese Hunde als „Plattnasen“.  Bei diesen kurzköpfigen Hunden ist Nase und Kiefer „eingedrückt“. Die Folge ist eine Reihe gesundheitlicher Probleme. Vor allem haben betroffene Hunde oft schwerwiegende Atemprobleme. Bei Anstrengung oder hohen Temperaturen regulieren Hunde ihre Körpertemperatur über das Hecheln. Hunde mit Brachyzephalie können ihre Temperatur oft nicht ausreichend durch hecheln regulieren und erleiden einen Hitzschlag oder haben Herzprobleme. Selbst beim Schlafen, Fressen oder Gehen leiden viele Plattnasen extrem. Sie erbrechen, röcheln und leiden unter Atemnot.

Bei diesen Hunderassen wird häufig auf Brachyzephalie hingezüchtet: Englische und Französische Bulldogge, Mops, Boxer, Malteser, Chihuahua, Shih-Tzu, Zwergpinscher

Brachyzephalie

Das Problem in der Gesetzgebung

Laut § 11b Tierschutzgesetz dürfen Tiere nicht gezüchtet werden, wenn sie dadurch leiden oder dies zu Schäden führt: „Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […] deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen […] und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten“.

Bestimmte Rassen werden trotzdem mit den o.g. Qualzuchtmerkmalen weitergezüchtet. Das Problem ist, dass diese Gesetzgebungen kaum nachverfolgt werden. Zudem sind die Bewertungsmethoden oft subjektiv, wodurch der Spielraum sehr groß ist. Es müssten im Gesetz konkrete Qualzuchtmerkmale betitelt und folglich auch ernsthaft verfolgt werden.

Das können wir tun

Viele Züchter sind seriös und achten verantwortungsvoll auf die Gesundheit ihrer Hunde. Einige Züchter sind jedoch bedacht auf das Einhalten der gewünschten Schönheitsideale der Menschen. Die Gesundheit der Hunde steht nicht an erster Stelle. Die Zuchtverbände sollten kompromisslos auf die Gesundheit der Hunde achten und entsprechend Druck auf die unseriösen Züchter aufbauen.

Wir als Hundehalter müssen uns tiefergehend über rassespezifische Merkmale informieren. Das eigene Schönheitsideal wie das „kindlich süße Gesicht“ des Hundes darf keine Priorität haben. In erster Linie sollten wir auf die Gesundheit statt auf das Aussehen des Tieres Wert legen. Durch unser Kaufverhalten unterstützen wir Qualzuchten immens. Wir müssen uns selbstständig und ernsthaft über die Hunderasse und deren Eigenschaften, sowie über Haltungs- und Aufzuchtbedingungen informieren.

Da soziale Medien und einige Unternehmen Hunde mit eindeutigen Merkmalen der Qualzucht auf ihren Plattformen dulden oder gar für sich nutzen, sind auch sie in der Pflicht umzudenken. So gibt es beispielsweise Werbekampagnen mit extremen „Plattnasen“, welche den Niedlichkeitsfaktor unterstreichen sollen. Durch das Auftreten von Qualzuchten auf sämtlichen Online-Plattformen gilt es nahezu als „normal“. Hier wird kaum kritisch hinterfragt, wie es gesundheitlich um die Tiere steht.

Um die Qualzuchten endlich zu unterbinden, bedarf es also mehrere Schritte. Ein generelles Umdenken und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen die ersten Schritte zur Aufdeckung der mithin normal gewordenen Missständen in der Zucht. 

Wir lieben unsere Hunde uns sollten entsprechend handeln.

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