Hund kann nicht alleine bleiben – Tipps für weniger Stress

Der Hund, das Rudeltier

Der Familienverbund gibt dem Hund Sicherheit.
hund-traurigHier hat er seinen Platz, von hier aus gehen alle Aktivitäten aus, die er unternimmt. Er bekommt seine Nahrung zugeteilt, er erhält Schutz und nicht zuletzt ist immer etwas los, was den Hund fordert und Langeweile vorbeugt.
Kein Wunder also, dass Hunde nicht gerne alleine bleiben. Sie sind dafür nicht gemacht. In freier Wildbahn könnte es sogar ihren Tod bedeuten.
Trotzdem können sie lernen, einige Zeit ohne ihre Familienmitglieder zu verbringen, ohne Schaden zu nehmen.

Immer wichtig: Die Vorgeschichte beachten

Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie alt Dein Hund ist.
Welpen können noch nicht alleine bleiben. Man kann und sollte aber bereits nach dem Absetzen behutsam mit dem Training anfangen (siehe unten).
Ist der Hund schon älter oder hat er schlechte Erfahrungen gemacht, wird es schon schwieriger. Auch die Rasse und der Charakter des Hundes können eine Rolle spielen.

Übung macht den Meister – schrittweise vorgehen

Im Idealfall beginnst Du das Training mit dem Hund schon im Alter von etwa 10 Wochen.
Die Trainingsschritte sind dann natürlich noch sehr klein, z. B. schließt Du innerhalb der Wohnung einfach ganz kurz eine Zimmertüre hinter Dir.
hund-allein-zuhauseDies sollte beiläufig geschehen, damit der Welpe lernt, dass es etwas Normales ist und er sich nicht sorgen muss.  Er sollte es aber natürlich schon mitbekommen, also nicht einfach hinter der Türe verschwinden, während der Hund döst oder schläft.
Während Du in dem Raum bist, kannst Du bewusst Geräusche machen, z. B. eine Schublade öffnen, vor Dich hin summen oder den Wasserhahn betätigen.
So merkt der Hund, dass Du noch da bist. Das Ganze sollte höchstens ein paar Sekunden dauern.
Achte darauf, dass Dein Hund nicht gerade winselt oder weint, wenn Du die Türe wieder öffnest, sonst könnte er lernen, dass dies zu Deiner Rückkehr führt.

Gehe nun Deinen normalen Beschäftigungen nach, ohne den Hund groß zu beachten. Du kannst ihn auch ganz kurz loben, aber wirklich nur sehr knapp.
Diese Übung wiederholst Du nun täglich mit langsam ansteigenden Zeiten.  Nach einigen Wochen kannst Du sie erweitern: Ziehe Deine Jacke und Schuhe an und gleich wieder aus. Im nächsten Schritt verlasse die Wohnung, zähle auf 3 und kehre zurück. Wichtig ist auch hier, dass der Hund in dem Moment, in dem Du die Türe wieder öffnest, nicht weint oder an der Türe kratzt.
Die nächsten Schritte dehnen die Zeit des Alleinseins ganz langsam aus; es folgen z. B. der Gang die Treppe hinunter, dann zum Briefkasten, zum Mülleimer, einmal um den Block, ein kurzer Einkauf.
Es heißt, dass Hunde ab einer Abwesenheit von etwa 45 Minuten kein Zeitgefühl mehr haben, d. h. es macht theoretisch keinen Unterschied, ob Du eine oder zwei Stunden weg bist. Dennoch solltest Du die Zeiten nur ganz langsam steigern.

Auch ein gut an das Alleinsein gewöhnter Hund sollte nicht täglich viele Stunden alleine bleiben müssen.

Die beschriebene Trainingsmethode eignet sich natürlich auch für ältere Hunde.

Tipps und Tricks, die das Alleinsein erleichtern

Um Deinem Hund das Alleinsein angenehmer zu machen, kannst Du z. B. vorher ausgiebig mit ihm spazieren gehen (er wird Deine Abwesenheit dann eher für ein Schläfchen nutzen).
Zu aufgedreht, etwa durch ein Spiel, sollte Dein Hund aber nicht sein, bevor Du gehst.
Auch ein ungefährliches Spielzeug oder ein Kauknochen beschäftigen ihn, solange Du weg bist. Ein eingeschaltetes Radio oder der Fernseher (Tipp: Natursendungen, Ballsportarten) sorgen für Hintergrundgeräusche und können Deinem Hund Deine Abwesenheit angenehmer machen.

Kein Drama erzeugen, auch nicht bei der Rückkehr

Bei der Rückkehr solltest Du Deinen Hund zwar begrüßen, aber nicht überschwänglich.
Sage ihm ein paar nette Worte und widme Dich dann etwas anderem. Verhalte Dich bewusst locker und ungezwungen.

Problemfälle

In schwierigen Fällen, insbesondere bei älteren oder traumatisierten Hunden, ist es immer besser, sich von Profis helfen zu lassen.

Gute Hundeschulen, -Trainer oder auch auf Verhaltenstherapie spezialisiere Tierärzte leisten hier gute Dienste, auch wenn man keine Wunder erwarten darf.

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo Thomas,

    Ich sehe das etwas anders. Der allerwichtigste Faktor ist meiner Meinung nach nicht, dass der Hunde lernen muss, alleine zu bleiben, sondern dass er lernen muss, Vertrauen zu haben. Einen Welpen von 10 Wochen würde ich nie alleine lassen. Eher an Ruhezeiten gewöhnen. Mit dieser Gewöhnung fällt das alleine bleiben später leichter, weil er gelernt hat, um diese Zeit schlafe ich eh immer. Auf diese Basis kann man dann aufbauen. Das funktioniert dann irgendwann auch im Umkehrschluss. Dass der Hund merkt, der/die geht weg, ok, dann schlaf ich jetzt. Wir lassen unsere Hunde die ersten MONATE überhaupt nicht alleine. Das muss man halt vorher überlegen und organisieren. Einen Säugling und ein Kleinkind lässt man ja auch nicht alleine. Ein Kindergartenkind auch nicht. Vielleicht im Grundschulalter … Wir mussten das alleine bleiben auch nicht trainieren, das war einfach irgendwann ok, dass man mal kurz oder auch mal länger weg ist. Wichtig ist vor allem, dass man sich seinem Hund gegenüber als zuverlässig erwiesen hat und dass Bindung und Verhältnis stimmen. Rituale, geregelter Tagesablauf, genügend artgerechte Auslastung tun ihr übriges. Auch die überschwengliche Begrüßung wird bei uns gerne praktiziert …

    Liebe Grüße
    Anke

  2. Avatar

    Schön zusammengefasst?!

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