Der Eichenprozessionsspinner: Eine Gefahr für Mensch und Tier

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) gehört zur Familie der Zahnspinner (Notodontidae) und ist ein Nachtfalter, der ebenso zu den heimischen Schmetterlingsarten gezählt wird (er wird daher häufiger auch als Nachtschmetterling bezeichnet). Er besiedelt – getreu seines Namens – nahezu ausschließlich alle Arten von Eichenbäumen, Eichenwälder, sowie Eichen-Kiefernwälder und Eichen-Hainbuchenwälder. Weitere Laubbäume beziehungsweise Laubbaumarten befällt er dagegen nur in Ausnahmefällen.

Der ausgewachsene Falter wird bis zu 32 mm groß, ist für Mensch und Tier harmlos und durch seine braune Farbe zudem sehr unscheinbar. Nach der Paarung legen die Weibchen in den Eichen ihre Eier (bis zu 300 Stück) ab. Diese entwickeln sich dort zu kleinen Eiräupchen, die jedoch noch innerhalb des Eis überwintern. Erst im Frühling schlüpfen sie schließlich.

Prozessionsraupen in Deutschland: eine stetige Verbreitung

Bevorzugt treten die Raupen des Nachfalters in warmen und trockenen Regionen auf. Dort ernähren sie sich schließlich von den Blättern und Knospen der unterschiedlichen Eichen-Arten. In Deutschland hat sich der Eichenprozessionsspinner in den letzten Jahren immer weiter ausgebreitet. Als die klassischen betroffenen Bundesländer galten zunächst Baden-Württemberg, Bayern (hier vor allem der fränkische Raum) und Brandenburg. Erst im vergangenen Jahr wurden die Tierchen darüber hinaus aber auch in küstennäheren Gebieten, etwa in der Nähe von Rostock oder auf der Ostsee-Insel Usedom, vorgefunden. Auch vergrößern sich in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen die einzelnen Verbreitungsgebiete zunehmend und fließen regelrecht zusammen. Ebenso haben die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Berlin in den vergangenen Jahren immer wieder Befälle gemeldet. Im Grunde lässt sich also durchaus sagen, dass keine Region Deutschlands wirklich sicher vor den Tierchen ist.

Die Bezeichnung „Prozessionsspinner“ bekam der Nachfalter vor allem deshalb, weil seine Raupen in einer prozessionsartigen Linienformation – das typische und charakteristische Merkmal – zu ihren Futterplätzen wandern. Zum Schutz vor Fressfeinden entwickeln die Raupen des Eichenprozessionsspinners die für Mensch und Tier so gefährlichen feinen und hoch giftigen Härchen, die einzelne allergische Reaktionen oder auch allergische Schocks auslösen können, sobald sie mit der Haut in Kontakt geraten. Diese Härchen – auch als Brennhaare bezeichnet – werden oftmals durch Luftströmungen weiter getragen, behalten ihre giftige Wirkung gar über Jahre hinweg und können so noch über die klassische Raupenfraßzeit hinaus – sie dauert etwa von Anfang Mai bis Ende Juni – und auch etwas weiter entfernt von Eichenbäumen bei Hautkontakt zu Ausschlägen, Schwellungen, Pusteln und Ähnlichem führen.

Nest oben im Baum

Was zu tun ist bei der Sichtung eines Befalls: Meldepflicht

Erkennen könnt Ihr den Befall eines Baumes oder mehrerer Bäume vor allem anhand der haarigen Gespinstnester, die optisch etwas an Zuckerwatte erinnern. Hier herrscht absolute Meldepflicht. Solltet Ihr also ein solches Nest oder einen Befall vorfinden, kontaktiert bitte in jedem Fall umgehend das zuständiges Gesundheits- oder Gartenbauamt oder die zuständige Gemeinde- oder Stadtverwaltung.

Eichenprozessionsspinner und Hunde – Was ist nach einem Kontakt zu tun?

Gerade für Hunde und Hündinnen besteht ein hohes Risiko, den Raupen der Eichenprozessionsspinner zu begegnen und/oder zu nahe zu kommen, da sie gewöhnlich neugierig ihre Umwelt beschnüffeln. Schlimmstenfalls kann es dabei auch vorkommen, dass diese eine Raupe (samt ihrer Brennhaare) verspeisen, dann besteht tatsächlich akute Lebensgefahr für den geliebten Vierbeiner. Bereits eine Raupe hat bis zu 600.000 dieser giftigen Härchen und kann somit heftige Reaktionen wie etwa Atemnot und/oder Schockzustände durch das enthaltene Nesselgift „Thaumetopoein“ auslösen.
Natürlich bleibt es bei leichteren Begegnungen von Tier und Eichenprozessionsspinner Euch überlassen, ob Ihr Euch an einen Arzt oder eine Ärztin wenden möchten. In jedem Fall solltet Ihr die betroffene Stelle aber gründlich abwaschen/ abspülen und Eure Fellnase im Blick behalten. Auch eine Creme oder Arnika Globuli können zur Heilung unterstützend wirken, es ist aber unerlässlich, dass Ihr die Entwicklung genauestens beobachtet.
Dagegen sollten Ihr, wenn Ihr einen stärkeren und umfassenderen Kontakt des Hundes oder  Hündin bemerkt, beziehungsweise er oder sie gar eine Raupe geschluckt hat, möglichst umgehend handeln und sofort einen Tierarzt/ eine Tierärztin aufsuchen, denn derartige Situationen – besonders die letztere – können durchaus lebensbedrohlich für den Hund werden.

Symptome, die nach einem Kontakt mit dem/den Tierchen bei Ihrem Hund oder Ihrer Hündin auftreten können

Erste Anzeichen und mögliche Symptome eines Kontakts können beispielsweise sein:

  • ein ständiges Reiben der Nase
  • Anschwellen bestimmter Körperregionen (etwa von Zunge und Kopf)
  • oder auch Reizungen an Nasenschleimhaut und/oder Mund

Des Weiteren können folgende Symptome auftreten:

  • lokale Hautausschläge (Raupendermatitis)
  • Entzündungen
  • Quaddeln
  • Verkrustungen
  • ständiges Husten, Keuchen oder Würgen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Nesselsucht
  • Bindehautentzündung
  • im schlimmsten Fall: schwere allergische Schocks
Verletzte Hundeschauze durch Kontakt mit  Eicheprozessionsspinnern
Verletzte Hundeschauze durch Kontakt mit Eicheprozessionsspinnern

Während leichtere „Verletzungen“ zunächst zwar ebenso unangenehm für Ihren Vierbeiner sind, sie aber meist nach kurzer Zeit wieder verschwinden, können schwerere Kontakte mit dem Raupengift gar zum Absterben beziehungsweise Verlust von beispielsweise Teilen der Zunge des Vierbeiners führen. Haltet deshalb möglichst die Augen offen und meidet Eichen-Wälder oder sonstige Plätze, an denen Eichen (-Arten) klassischerweise aufzufinden sind – etwa Sportplätze, Waldränder, Parkplätze, Parkanlagen oder ähnliches.

Herbstzeit, die Blätter färben sich bunt und fallen von den Bäumen. – Leider auch die verlassenen Nester des Eichenprozessionsspinners. Das Brennhaar verliert jedoch nicht an Wirkung. Von daher ist auch im Herbst Vorsicht geboten.

Wie kann ich meinen Hund schützen?

Ein hundertprozentiger Schutz besteht niemals wirklich, da – wie zuvor bereits angesprochen – die Wirkung der Brennhaare der Raupen durchaus die typische Fraßzeit überdauert und mitunter noch Jahre später und an unscheinbaren Waldstellen oder ferner von Eichen aufzufinden sind. Behalten Euern Hund oder Hündin am besten im Blick und handelt umgehend, wenn er oder sie ungewöhnliche Reaktionen zeigt. Um das Immunsystem des Hundes im allgemeinen gegen solche und andere „Angriffe“ zu stärken, solltet Ihr ihm in jedem Fall jedoch ein artgerechtes und gesundes Futter zur Verfügung stellen und auch im Allgemeinen wachsam auf seine oder ihre Bedürfnisse eingehen, also fördern, aber auch fordern und auf seine Gesundheit und Vitalität Wert legen.

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