Cesar Millan – am Hundeflüsterer spalten sich die Meinungen

An Cesar Millan scheiden sich wirklich die Geister. Für einige Hundefreunde ist er ein Tierquäler, für andere Tierbesitzer hingegen der Hundepsychologe, der ihr Verhältnis zu ihrem eigenen Hund verbessert hat. Was spricht also für ihn und was gegen ihn?

Cesar Millan
  • Ist er ein Hundetrainer oder ein Tierpsychologe?
  • Trainiert er Menschen und hilft Hunden, oder setzt er die Vierbeiner unnötigen Gefahren aus?
  • Ist er gar ein Tierquäler, der für die eigene Popularität buchstäblich über die Leichen seiner Kunden geht?
  • Oder ist die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte zu finden?

Die Frage der Dominanz

Die Frage der Dominanz wird vor allem hier in Deutschland sehr emotional geführt. Es gibt dabei zwei Definitionen für das Wort. Die erste besagt, dass Dominanz das Tier mit brutalen Methoden unterwirft. Dominanz ist daher voller Unterdrückung und Aggressivität. Die zweite Definition sieht Dominanz als das angemessene Verhalten dessen, der die Regeln aufstellt, weil er in der Hierarchie weiter oben steht. Cesar Millan dominiert Hunde, das ist unbestritten. Für ihn ist zumeist das ruhige und konstante Verhalten Dominanz. Aber das ist nicht die einzige Form von Dominanz, die er ausübt. Wenn Hunde nicht kooperieren wollen, werden sie von ihm auch schon mal in die Rückenlage gebracht, in der sie so lange verharren müssen, bis sie ihren Widerstand aufgeben. Diese Methode ist sicherlich nicht human, wir würden unsere Kinder ja auch nicht auf den Rücken werfen, damit sie endlich ihr Quengeln aufgeben. Jedoch muss eingewendet werden, dass Cesar Millan die gesteigerte Form von Dominanz nicht in jedem Fall benutzt. Sie ist zumeist auch nicht die erste Aktion, die bei der Erziehung des Hundes angewandt wird. Nichtsdestotrotz nutzt er oft eine sehr strenge Form von Dominanz als Mittel zur Problemlösung. Jeder sollte daher für sich selbst entscheiden, ob diese »Methode« im gegebenen Fall für sein Empfinden angemessen ist oder nicht.

Wer wird hier eigentlich erzogen?

Er trainiert Menschen und rehabilitiert Hunde: Das ist das Credo dieses Hundepsychologen. Kritiker werfen Cesar Millan vor, er würde sich nicht genug um die Körpersprache des Hundes kümmern und zu viele Signale übersehen. Seine Befürworter erklären, dass er vor allem das Verhältnis von Mensch und Hund analysiert und daher den Fokus auf beiden Seiten der Leine hat. Cesar Millan ist nicht nur Hundepsychologe, er ist auch ein Fernsehstar. Das bedeutet, dass sich ein Team von Profis darum kümmert, welche Fälle in den Fernsehsendungen gezeigt werden, in welcher Reihenfolge die Fälle präsentiert werden und welche Szenen herausgeschnitten werden. Daher sah man in der Sendung »Der Hundeflüsterer« eine Reihe von neurotischen Menschen, die ebenso neurotische Hunde beherbergten. In wieweit sein Ansatz, den Menschen ruhiger und selbstsicherer zu machen, um dem Hund eine selbstbewusste Führung zu geben, wirklich zum Erfolg geführt hat, das lässt sich schwer nachvollziehen.

Schocktherapie als Therapie?

Hunde, die mit Elektroschockern und Würgehalsbändern gequält werden, das ist das Bild, das viele mit Cesar Millan verbinden. Auch hier lohnt es sich, mehr als einen Blick auf die Vorgänge zu werfen. Cesar Millan selbst hat das in seinem Buch »Cesars Rules« getan. Dort schrieb er, dass er sein Team gebeten hatte, die Elektroschockerszenen zu analysieren. Am Ende stellte sich heraus, dass es von 317 Fällen 8 gegeben hatte, in denen dieses Halsband eingesetzt wurde. Er hatte nur in 4 dieser Fälle die Methode selbst eingeführt, im Rest der Fälle war das Halsband bereits im Gebrauch gewesen. In Amerika sind Tierheime mit Todestrakt nicht die Ausnahme, sondern leider eher die Regel. Wenn Cesar Millan einem Hundehalter empfiehlt, seinen Problemhund auf dem Spaziergang im Notfall mit einem schwach dosierten Elektroschock an seine spärlich gesäten guten Manieren zu erinnern, dann ist das für viele Fans von Cesar Millan kein Fall von Tierquälerei, sondern nur eine Methode, um die Mensch-Hund-Familie zusammenzuhalten. Dagegen lässt sich aber einwenden, dass sich auch aggressives Verhalten mit genug Zeit und einem umsichtigen Trainer in den Griff bekommen lässt. Vor allem in der »Hundeflüsterer« Serie wurde offenbar unter Zeitdruck gearbeitet, um auch schwere Fälle in kürzester Zeit zu ‚lösen‘. Das ist sicherlich keine Methode, die für eine funktionierende Mensch-Hund Beziehung geeignet ist.

Cesar Millan als Retter vor dem Todestrakt?

Besitzer von sogenannten Problemhunden kennen das Dilemma. Daheim einen verkuschelten Dr. Jeckl auf dem Sofa, draußen einen wild um sich beißenden Mr. Hyde. In den USA ist diese Problematik noch akuter. Damit das Tier vor der Zwangseinlieferung in ein Tierheim mit Todestrakt bewahrt werden kann, ist den Besitzern oft jedes Mittel recht. Da heiligt der Zweck wirklich die Mittel. Es sitzen weltweit zu viele sogenannte Listenhunde in Tierheimen. Wenn Cesar Millan mit leichten Tritten, dominantem Auftritt oder sogar Elektroschocks das problematische Verhalten in den Griff bekommt, dann kann das als Gewinn angesehen werden. Falls er es nicht schafft, nimmt er den Hund halt in sein großes Rudel auf seine Ranch. Die Kritik an Cesar Millan und seinem Verhältnis zu gefährlichen Hunden ist aber ebenfalls alles andere als substanzlos. Es gibt eine Reihe von Methoden, mit denen es gelingt, auch gewaltlos gegen das aggressive Verhalten vorzugehen.

Fazit

Ob Cesar Millan ein begnadeter Hundeflüsterer oder ein brutaler Scharlatan ist, muss jeder Tierfreund für sich selbst entscheiden. Seine Methoden sind zwar mit den Jahren weniger rigide geworden, aber er ist immer noch niemand, der sich des komplett gewaltlosen Trainings verschrieben hat. Manchen hat er dabei geholfen, die berechtigte Angst vor der Beschlagnahme durch das Ordnungsamt zu verlieren. Manchen jagen seine Methode berechtigte Schauer über den Rücken. An Cesar Millan werden sich daher wohl noch sehr lange die Geister scheiden.

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