Pan, vom Streuner zum Familienhund

Hier eine weitere Geschichte von Yvonne, die uns bereits mit der Geschichte von Heaven zum Staunen brachte. Hier nun die Geschichte von Pan:

 

panHallo, mein Name ist Pan.
Ich bin ein Hund aus Rumänien.
Ich bin ein Hund mit Vergangenheit.

Manchmal ist es besser, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, so wie einen Knochen zu verstecken und versuchen, sie nie wieder herkommen zu lassen, manchmal kann man aber auch anderen damit helfen. Helfen zu verstehen, warum es solche Hunde wie mich gibt und warum wir es wert sind durchzuhalten und geduldig zu sein, denn eigentlich wollen wir nur eins:

In Frieden leben.

Meine Geschichte lässt sich nur schwer zurückverfolgen und eigentlich ist das gar nicht schlimm, denn ich möchte niemandem wehtun. Niemanden traurig machen. Wenn die Menschen sehen, spüren, hören und riechen müssten, was zu viele von uns schon ertragen mussten, sie würden zerbrechen.
Das einzige, was uns am Leben hält, kämpfen lässt, das ist die Hoffnung auf eine bessere Zeit. Manche von uns geben vorher auf, weil ihr Körper durch Hunger und Durst keine Kraft mehr hat. Andere geben auf, weil Menschen sie zerstört haben.

im-tierschutzMeinem Bruder und mir ging es auch schlecht, als wir in das Lager kamen. Wir waren noch klein, das weiß ich noch und mein Bruder hatte Angst. Ich sorgte für ihn und wir stützten uns gegenseitig. Ich musste auf ihn aufpassen. Er wollte zu schnell vertrauen und auf die gute Zeit hoffen, doch ich hielt ihn immer wieder zurück. Mich durfte niemand anfassen und
wenn sich doch mal einer zu nah an mich traute, konnte ich sehr böse werden. Ich hatte menschliche Nähe nur als etwas Schlechtes gelernt und baute daher eine Mauer um mich und meinen kleinen Bruder auf.
Ich wollte allein sein. Verkroch mich unter Hütten. So vergingen die Monate bis eines Tages der große Transporter kam. Das Lager musste schnellstmöglich geräumt werden, denn der Bürgermeister wollte das Grundstück für etwas Anderes nutzen. Da mich
keiner anfassen konnte, wurde ich schlafen gelegt und wachte erst wieder im Transporter bei meinem Bruder auf. Gott sei Dank, ihm ging es gut.

Wir hatten Angst. Große Angst.

Nach der langen Fahrt kamen wir in dem anderen Lager in Deutschland an. Ihr Menschen, nennt es Tierheim. Es war spät abends. Alles war so entsetzlich neu und roch so fremd. Die Menschen sprachen anders.  Mein Bruder und ich blieben zusammen, wir brauchten uns. Die Menschen gaben sich sehr viel Mühe und obwohl ich meinen Bruder immer wieder aufhalten wollte und ihn schützen wollte, fing er an, die Menschen zu mögen. Er baute Vertrauen auf. Ich nicht. Selbst eine kurze räumliche Trennung brachte mich nicht dazu, mich auf die Menschen einzulassen, also kamen mein Bruder und ich wieder zusammen.
Eine Frau kam. Sie schaute Brownie, so wurde er genannt, lange an und redete mit ihm. Sie kam immer öfter und nahm ihn auch mit. im-zwingerIch wollte das nicht. Ich wollte nicht, das man ihm weh tat. Ich musste ihn beschützen.  Also bellte ich lange hinter ihnen her, wurde richtig böse. Aber es half nichts, die Frau kam wieder und wieder.  Sie versprach mir, auf meinen kleinen Bruder aufzupassen, doch ich wollte ihn nicht gehen lassen. Irgendwann kam sie, nahm ihn mit und kehrte nicht mehr zurück. Pass auf dich auf, kleiner Bruder!

Die Zeit verging und ich gewöhnte mich an mein Leben. Eigentlich ging es mir gut, es gab Essen, ich hatte Schutz vor Wind und Kälte, doch die Menschen wollten mehr. Sie wollten mich aus meinem Zwinger holen und mich rausführen. Doch das wollte ich nicht. Viel zu groß war mein Misstrauen.  Ich hatte einen Freund. Einen völlig überdrehten Jagdhund. Unsere Zwinger lagen dicht beieinander und so durften wir dann oft spielen.  Mehr Kontakt brauchte ich nicht, denn ich war zum Einzelkämpfer geworden. Ein Einzelkämpfer mit einer unüberwindbaren Mauer.

Besucher kamen eigentlich nie zu uns, denn wir waren die „schwierigen Hunde“. Umso mehr erschrak ich, als eine neugierige Menschenmenge in unserem Abteil herumlief. Allen voran der Mann vom Tierheim. Irgendwas erzählte er und stellte die einzelnen Hunde vor. Ich saß in meiner Hütte und beobachtete.

rettungDann kam SIE.

Sie starrte in meinen Zwinger und fragte irgendwas. Ihr wurde geantwortet und sie kam in meinen Zwinger. Einfach so. Sie hatte keine Angst im Blick. Ich wurde sehr böse, denn solche Menschen kenne ich, sie gaffen und werden dann übermütig, versuchen nach mir zu grapschen.

Ich bellte sie so böse an, wie ich nur konnte und rannte wütend hin und her. Sie hockte sich hin und schaute mich an. Ich war entsetzt, dass sie sich einfach so herein traute und verschwand böse nach innen. Als ich hörte, wie sie die Zwingertür öffnete, rannte ich hinaus und bellte wieder, doch sie blieb stehen, schaute mich wieder an.
Was machte sie bloß? Ich hatte diesen Vorfall fast vergessen, als sie 4 Wochen später wieder kam. Ich wurde in den äußeren Teil meines Zwingers gesperrt und sie packte ihre Sachen in den Innenteil. Ich hörte ihre Schritte, roch ihren Geruch, aber ich wollte das nicht!
Sie blieb 3 Tage und 2 Nächte bei mir und nervte mich. Sie las Bücher, trank Kaffee und redete mit den anderen Menschen. Aber die meiste Zeit saß sie in meinem Zwinger und redete mit mir. Ich verkroch mich und wollte ihre Nähe nicht, aber wenn sie wegging, schaute ich ihr nach.
Sie packte ihre Sachen. Den kurzen Moment Unachtsamkeit nutzte ich und spielte mit ihrem Schlafsack. Das der dann komplett zerfetzt war, konnte ich nicht ahnen. Sie lachte bloß.
Als sie alle Sachen weggebracht hatte, kam sie nochmal zurücxk. Sie weinte. Warum? Warum weinte sie? Wegen mir? Meine Mauer fing zu bröckeln an. daheimSie versprach mir, wiederzukommen. Ich glaubte ihr nicht. Es dauerte nicht lange, da war sie wieder da. Sie blieb wieder 3 Tage und 2 Nächte.
Ich war sehr neugierig und roch an ihr, wenn es abends dunkel wurde und die Lichter ausgingen. Manchmal legte ich mich zu ihr, aber sobald sie sich bewegte, stand ich auf. Die Mauer bröckelte einfach weiter.

Sie fuhr wieder und auch dieses mal weinte sie. Ich wollte nicht, dass sie wegen mir so traurig war. Ich mochte sie doch.  Irgendwas war anders. Eine Box kam in meinen Zwinger.  Ein paar Tage später kam sie wieder. Sie freute sich so sehr mich zu sehen. Sie schaute mich an und sagte:

„Komm Pan, wir fahren nach Hause.“

Ich ließ sie nicht aus den Augen. Die lange Fahrt war sehr anstrengend und wieder überkam mich die Angst.  Alles war weg. Meine vertrauten Freunde. Meine vertrauten Menschen.  Die vertrauten Gerüche. Nur sie, ich und dieses fremde Wort ZUHAUSE.

Zuerst blieben wir nur im Keller, denn ich sollte mich Stück für Stück einleben.  Die anderen zwei Hunde lernte ich bald kennen. Heaven
und Chance, auch aus Rumänien. Sie sind jetzt meine Familie.  Ich beobachte sie und lerne. Auch beobachte ich das große und das kleine Herrchen und lerne.  Ich bin ein guter Hund und möchte ihr unbedingt gefallen. Ich lerne schnell, sagt sie. Ich vertraue ihr, sage ich.  Meinen Bruder haben wir schon zweimal besucht. Er riecht anders. Er hat nun sein Leben und das gönne ich ihm. Es geht ihm gut und seine Menschen-Freundin hat ihr Versprechen gehalten.  Wir kennen uns noch, aber jeder lebt nun sein eigenes Leben. Ich muss jetzt nicht mehr auf ihn aufpassen. Ich darf jetzt ein eigener Hund sein. Ich bin jetzt Pan.
aufmerksamEin Hund, der viel zu schnell erwachsen wurde.  Ein Hund der es jetzt liebt, mit seinen Hundefreunden zu toben, zu rennen, Purzelbäume zu schlagen und ein Hund der es liebt in der Sonne zu liegen.  Ich kann sogar schon kleine Kommandos, sagt sie.

Ich habe viel gelernt, sagt sie.  Sie kennt meine Grenzen und ich ihre. Sind wir draußen, ist sie mein halt. Meine Orientierung. Sie sagt, ich bin ein großer Welpe. Ich hole nach, was bisher nicht möglich war.

Ich bin jetzt ein Familienhund. Ein Familienhund mit dem gewissen etwas und auch wenn ich mich nicht anfassen lasse, weiß sie doch, wie gern ich sie habe. Wir gehören zusammen.


Ein paar Worte von IHR:

Kennt ihr den Hund Hachiko? Er gilt noch heute als Inbegriff von Treue.
Pan ist mein Hachiko.
Er ist treu und er folgt mir, egal ob es der Besuch im Tierheim war oder die Abenteuer in fremden Städten. Auch während unseres Urlaubs blieb er stets an meiner Seite. Einmal kam er an einen Stromzaun, während er nach Wasser suchte. Er lief nicht weg, nein, er kam zu mir. Ich bin sein Schutz und er zeigt mir, wie nichtig Körperkontakt ist, wenn die Seelen im Einklang sind.

Nachwort:
eigene-boxDer größte Dank geht an Pan und Brownies Lebensretter, die Karpatenstreuner. Ohne diesen Verein wären die zwei damals qualvoll gestorben. Bitte hört nicht auf Leben zu retten!
Das Tierheim Limburg hat Pan und Brownie damals aufgenommen, als die zwei jämmerlich in Deutschland ankamen. Sie suchten gewissenhaft nach Menschen und fanden die tollste Frau für Brownie und vertrauten mir Pan an. Dafür bedanke ich mich von ganzem Herzen. Natürllich auch füer die Gastfreundschaft und den ganzen Kaffee. Niemals werde ich die Tage und Nächte im Tierheim vergessen, denn ohne Internet, ohne Radio kommt man wieder zu sich und den wichtigen Dinden des Lebens.
Ich bedanke mich, bei meiner Familie, ohne die ich dieses Leben nicht leben könnte. Meine Reisen sind nur durch Euch möglich oder auch meine Nächte im Keller.Eure Offenheit solchen >Hunden gegenüber ist nicht selbstverständlich und auch ihr müsst so manches mal verzichten.Ich weiß das sehr zu schätzen! Ich liebe euch!
Ich danke meinen Hunden, die mir so viel lernen und immer geduldig mit mir und den Neuankömmlingen sind. Sie bringen mir bei, auf den Bauch zu hören und nicht nach Schema F vorzugehen.
Und natürlich danke ich allen Freunden, Spendern, ganz besonders Star Nico, Lesern, Likern, Fans und und und! Danke für eure Unterstützung, eure lieben Worte und eure Zeit, dies alles zu lesen.

Das Tierheim Limburg und die Karpatenstreuner können nur weiter Hundeseelen retten, wenn sie unterstützt werden.
Vielleicht schaffe ich es, mit Pans Geschichte den ein oder anderen Euro sammeln zu können…

Denn während die Welt ruft, du kannst sie nicht alle retten, flüstert die Hoffnung: und wenn es nur einer ist….

Liebe Yvonne, vielen lieben Dank für Deine so liebevoll geschriebene und aufregende Geschichte! 

Ihr habt ebenfalls eine Geschichte oder Erlebnis von und mit Eurer Fellnase und wollt diese hier vorstellen? Dann sendet uns diese an kontakt@hund.info und wir veröffentlichen Eure Hundegeschichte gerne!

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